Frankfurt

Ein singender Schwan und eine Flöte auf hoher See

  • Judith von Sternburg
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Das hr-Sinfonieorchester im Sendesaal mit zwei fitten jungen Solisten unter der Leitung von Christoph Eschenbach.

Was gegenwärtig beachtet werden muss – wie viele Menschen dürfen auf die Bühne, wer kann anreisen –, ist sicher der perfekte Alptraum für Künstlerische Betriebsbüros. Die Konzertprogramme, die dabei herauskommen, sind aber oft hinreißend, und das macht nicht nur die Unterversorgung.

Diesmal lag es auch an zwei interessanten Solisten, dem französischen Cellisten Bruno Philippe, Jahrgang 1993, und dem griechischen Flötisten Stathis Karapanos, Jahrgang 1996. Der in diesem Jahr 80 gewordene Christoph Eschenbach führte eine schlanke, kraftvolle Formation des hr-Sinfonieorchesters im Sendesaal durch ein spätimpressionistisch wirkendes, ansprechendes, aber nicht zu oft durchgekautes Programm. Die Anwesenheit Philippes und Karapanos’ wurde bei jeder Nummer genutzt, auch dadurch entstand der Eindruck eines einzigen großen Bogens.

Camille Saint-Saëns’ „La Muse et le Poète“ weist der Flöte die Rolle der Muse, dem Cello die des Dichters zu. Auch ohne das wäre es ein intimes Zusammentreffen der beiden der menschlichen Stimme besonders nahen Instrumente gewesen. Enorm sämig und entschieden der Ton Philippes, die Scheuheit von Karapanos’ Flöte nur ein geglücktes Rollenspiel. Denn in André Jolivets Konzert für Flöte und Streichorchester zeigte sich der Virtuose anschließend über hochdramatischen Streicherwogen auf sicherer und souveräner Fahrt. Der Flötenklang gläsern klar, ohne scharf zu werden. Philippe hielt dann, was er als „Poète“ versprochen hatte, als singender Schwan zog er durch Saint-Saëns’ 1. Cellokonzert, als wäre das technisch ein Kinderspiel.

Besonders schön, zum Schluss Frank Martins krimihaft spannende „Ballade für Flöte und Orchester“ zu hören – am Tag, an dem die Oper Frankfurt ankündigte, wegen der Corona-Spielplanänderungen Martins „Le vin herbé“ ins Programm zu nehmen. Insgesamt ein erstaunlich sanglicher Abend für ein Konzert. Eschenbach trat als ökonomischer Lenker auf, dem Orchester gab er Gelegenheit, solistische Qualität zu entwickeln, ein Duo- oder Trio-Partner zu sein.

Gute Stimmung im Saal, obwohl das Herein- und Herauskommen eine größere Geschichte war. Auf dem Podium vergnügte Ellenbogenstupser.

Das Konzert (die zweite Aufführung am selben Abend) ist als Video-on-Demand verfügbar, hr-sinfonieorchester.de. Im Radio noch einmal am 29. September, 20.04, auf hr2-kultur.

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