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HR-Sinfonieorchester

Der gut gelaunte Beethoven

  • vonBernhard Uske
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Ein fragmentiertes HR-Sinfonieorchester spielt kammermusikalische Werke des Jubilars.

Abstandswahrung, Isolation, Kommunikation über Hilfsmedien: Ludwig van Beethovens Taubheit mit ihrer Zerrüttung seines öffentlichen und privaten Wirkens kann sich zur Zeit der Feiern des 250. Geburtstags in den coronabedingten Einschränkungen, die öffentliche Aufführungen unmöglich machen, spiegeln. Taubheit und Infektion – beide Formen der Behinderung erzwingen Prothesen zur Aufrechterhaltung sozialer Verbindlichkeiten. Und so treffen sich auf ungeahnte Weise die Konversationshefte des Gehörlosen und die digitalen Datenbahnen, auf denen seine Musik gegenwärtig ihre Hörerschaft erreichen kann.

Klausur statt Konzertsaal

„Final Call“ hat der Hessische Rundfunk seinen Beitrag aus dem Sendesaal des Funkhauses am Frankfurter Dornbusch zum nahenden Geburtstag genannt. Er wurde im Verein mit Arte am Sonntag von 16 bis 21 Uhr in drei jeweils gut einstündigen Auftritten von Solisten und Ensembles des HR-Sinfonieorchesters auf die heimischen audiovisuellen Theken gespielt. Ein Hilfsmittel, das, im Gegensatz zur Hörrohr- und Zettelwirtschaft des Jubilars, ein Wundermittel war. Klang- und bildtechnisch gelang nahezu meisterhafte Präsenz der Musik. Ohne Moderatoren-Geplauder, ohne Applaus-Manie, ohne Kamera-Gymnastik – eine Klausur, die so manche Konzertsaal-Erfahrung hinter sich lassen konnte.

Geboten wurde ein Programm, das zwangsläufig kammermusikalischer Herkunft sein musste und obendrein selten gespielte Werke umfassen sollte. Denn Neues zur Causa B., wie es beim letzten großen Jubiliäum vor 50 Jahren noch der Fall war, als der HR einige Modell-Interpretationen in den Originaltempi realisieren ließ (3. Sinfonie, Violinkonzert), gibt es nicht.

Titans biedere Seite

Aber ungewohnt wirkte es denn auch – das Aufbringen so vieler Werke, die einen zwar munteren, aber ganz unheroischen, unkämpferischen, freundlichen, gar biederen Titanen zeigen. Gut gelaunte, ja behagliche, aufgeräumte und gefällige Schöpfungen, die keine handwerklichen Schwächen haben und vieles der Mannheimer Schule und mozartscher Bewegtheit verdanken.

Etwas heraus fielen Begräbnismusiken (Drei Equali für vier Posaunen) und auch die Fuge für Streichquintett op.137, ein fugierter Schreittanz-Hybrid. Ins Spätwerk zielend, aber nicht unbekannt, die Cello-Sonate op.102 mit ihrer lyrischen Dissoziationsdrift. Selbstherrlich das gut bekannte 1. Streichquartett.

Beste Eindrücke hinterließen bei allen Werken die Mitglieder des HR-Sinfonieorchesters: Webern Trio Frankfurt, Atlantic String Duo, Cilia Trio, Antares-Ensemble, Aligheri Quartett, Hába Quartett – die Sinfoniker spielen in zahlreichen Kammermusikvereinigungen, und das merkte man deutlich.

Die Zurückhaltung dieser Beethoven-Werke machte die Qualität und die verschiedenen Charaktere der musikalischen Zugänge sichtbar. Vielfalt vom Dornbusch, die den Teilen des Titanen-Werks galt, die auch ihre einfältigen Seiten haben.

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