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hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper – Zarte Riesen

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Von: Judith von Sternburg

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Alte Oper und Opernplatz mit dramatischem Wolkenhimmel
Die Alte Oper Frankfurt. © ROLF OESER

Die Pianistin Yulianna Avdeeva und der Dirigent Andris Poga mit dem hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper Frankfurt.

Ein weiteres ganz russisches Programm in dieser endlich wieder Großformate ermöglichenden Konzertsaison, ein so mitreißendes wie kompliziertes. Am Anfang nämlich Modest Mussorgskijs „Nacht auf dem kahlen Berge“, dann Sergej Prokofjews 2. Klavierkonzert, schließlich Sergej Rachmaninows 3. Sinfonie.

Das hr-Sinfonieorchester ließ sich in der Alten Oper Frankfurt unter der Leitung des Letten Andris Poga auf kein Lärmen und kein Tosen ein, sondern bot reinste Klangkultur auf. Und die unerschütterliche Konzentration, die die unruhige, vertrackte Musik verlangt. Poga, Jahrgang 1980, ein ohnehin besonnen wirkender Mensch, vermittelte das mit seinem selbst in längst unpathetischen Zeiten am Pult noch besonders aufmerksam und ungeziert wirkenden Dirigat.

Der Auftakt dabei noch am übersichtlichsten, obwohl es doch gespenstisch zugeht, was sich hier filigran und wie abgedämpft zeigte, aber nicht lahm, sondern in schönsten Abstufungen.

Im Prokofjew-Konzert war die 1985 in Moskau geborene Yulianna Avdeeva zu erleben, eine ihrerseits scheinbar unaufwändig und mit beträchtlicher innere Energie enorme Kräfte entwickelnde Pianistin. Das Werk strotzt vor Überraschungen und Ungebärdigem, derb aber wurde es nie. Mit Eisesruhe rührten, mischten, schattierten Solistin und das Orchester mitsamt seinen famosen Solostimmen, für die das ohnehin ein großer Abend war. Avdeeva spielte im Anschluss eine unendlich traurige, sanft vor sich hin kreiselnde „Bagatelle“ von Valentin Silvestrov, dem gegenwärtig wohl bekanntesten ukrainischen Komponisten.

Rachmaninow dann wieder ein Riese mit zarten Seiten, vom ruhig anhebenden, aber letztlich unbegreiflichen ersten bis zum diabolisch verwickelten und dann doch einmal auch einfach genießerisch großen letzten Satz. Wenn man schon nicht auf die Pauke schlagen darf, hätte man wenigstens versuchen sollen, Querflötistin zu werden.

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