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hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt: Raffiniertere Süße

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Von: Judith von Sternburg

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Alain Altinoglu dirigiert das hr-Sinfonieorchester. Foto: HR/Werner Kmetitsch
Alain Altinoglu dirigiert das hr-Sinfonieorchester. Foto: HR/Werner Kmetitsch © Werner Kmetitsch

Das hr-Sinfonieorchester eröffnet seine Saison in der Alten Oper Frankfurt mit Alain Altinoglu am Pult und Alexander Malofeev am Flügel.

Vor seinem 21. Geburtstag im Oktober ist Alexander Malofeev bereits im Kern des anspruchsvollsten Repertoires angekommen: Als Einspringer trumpfte der in Berlin lebende russische Pianist mit Sergej Rachmaninows 3. Klavierkonzert auf. Das vorgesehene Programm für die Saisoneröffnung des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt musste darum nach der Absage von Evgeny Kissin nicht geändert werden, ein rein russisches. Denn auch als Zugabe spielte der junge Solist ein ernstes Stückchen von Nikolaj Medtner, der freilich wie der nur um wenige Jahre ältere Rachmaninow im Exil starb.

Virtuosentum, introvertiert

Rachmaninows Konzert, aus solistischer Sicht ein schwindelerregendes Renommierstück, dem man das aber idealerweise dann gar nicht mehr anmerkt, wurde von Malofeev mit schlafwandlerischer Ruhe vorgetragen. Der treibende Beginn des ersten Satzes ging ohne Überhastung in ein wie nach innen gekehrtes Virtuosentum über, an dem sich auch das Orchester beteiligte. Dessen Chefdirigent Alain Altinoglu führte es nicht als Begleitung mit, sondern brachte sozusagen zwei Partner zusammen. Und ließ sie demonstrieren, dass Wucht kein Pathos sein muss. Maximaler Effekt wurde aus der Ruhe geboren, der Hollywoodmusik-Anteil nicht verkleinert, aber verschlankt und raffiniert. Das passte auch zu Malofeev, der kein Tastenlöwentyp ist. Sympathisch, wie nach dem letzten Ton seine Anspannung sich in einem ersten Lächeln auflöste. Das Publikum flippte vor Begeisterung ein bisschen aus.

Sehnsucht, kontrolliert

Das „Intermezzo“ des Konzerts hatte mit einem sanft wogenden Streichermeer schon eine „Scheherazade“-Stimmung in dem Saal gebracht. Nikolaj Rimskij-Korsakows Sinfonische Dichtung, der das Programm den Namen „1001 Nacht“ verdankte, gab es dann nach der Pause: eine Sehnsuchtsmusik, deren Süffigkeit durch eine straffe Lesart geschmackssicher kontrolliert wurde.

Das Orchester ließ sich als glanzvolles Tutti und mit perfekt gestalteten Soloparts hören, während das Werk selbst ja mit einer übersichtlichen Anzahl an Melodien aufwartet, die immer wieder neu coloriert werden. Altinoglu ist ein guter Publikumsdompteur und sorgte für einen guten Abstand zwischen Musik und tosendem Beifall.

Zum Nachhören: im Videostream auf hr-sinfonieorchester.de, im Radio auf hr2-Kultur am 27. September, 20.04 Uhr.

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