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hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt: Ohne Prometheus, ohne Worte

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Von: Stefan Michalzik

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Gastdirigentin beim hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper Frankfurt: die New Yorkerin Karina Cannelakis. Foto HR/Mathias Bothor
Gastdirigentin beim hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper Frankfurt: die New Yorkerin Karina Cannelakis. Foto HR/Mathias Bothor © HR/Mathias Bothor

Karina Cannelakis und Lars Vogt mit dem hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper.

In der zwischen 1790 und 1809 entstandenen Werkgruppe der fünf Klavierkonzerte Beethovens markiert das dritte in c-Moll op. 37 einen Wendepunkt. Das erste und das zweite bewegen sich noch nah an der Welt von Haydn und Mozart, mit dem dritten macht der Komponist einen Schritt heraus aus der Musik des 18. Jahrhunderts: in seiner Anlage ist es sinfonisch gedacht, der Solopart zugleich individueller gestaltet.

Scharf konturiert, aber nicht überspannt ist der Zugriff der zunächst als Geigerin bekanntgewordenen, inzwischen auch am Pult international gefragten New Yorker Dirigentin Karina Cannelakis. Es sind nicht die expressiven Extreme, die sie sucht, ihr offenkundiges Ideal ist vielmehr eine brillante Klarheit. Das Spiel von Lars Vogt, dem Solisten beim jüngsten Abend mit dem hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper Frankfurt, am Klavier, wirkt organisch. In seiner Einspielung mit der britischen Royal Northern Sinfonia leitet er das Orchester vom Flügel aus. In Frankfurt hält er sich von allem Spektakulären fern. Sein Beethoven ist ein unprometheischer, alle Intensität entwickelt Vogt wie aus dem Moment heraus.

Ganz ohne Pathosgeste das Largo. Der Heiterkeit im dritten Satz gibt er momentweise einen sardonischen Zug, der schließlich in einer beinahe tänzerischen Gelöstheit aufgeht.

Kaum mehr als zehn Minuten dauert Igor Strawinskys eingangs gespieltes frühes, vom Komponisten selber hochgeschätztes Orchesterstück „Chant funèbre“ op. 5, das lange als verschollen galt und erst 2015 in der Bibliothek des St. Petersburger Konservatoriums wiederentdeckt wurde. Ein Gelegenheitswerk, geschrieben 1908 auf den Tod Rimski-Korsakows, tatsächlich eine Trouvaille. Der Einfluss des verehrten, später allerdings auch kritisierten Lehrers ist an der spätromantischen, tondichtungsartigen Klangsprache dieses Totengesangs ohne Worte abzulesen wie auch jener der aufwühlenden Chromatik Wagners. In Spuren weist die Harmonik schon auf die wenig später entstandenen Ballettmusiken „Feuervogel“ & Co. voraus.

Reizvoll disponiert gerade in ihren Gegensätzen die Programmfolge. Die expressiven Werte in Béla Bartóks spätem, formal lose an das barocke Concerto grosso angelehnten Konzert für Orchester (1943) – einer Art Konzert für den ganzen Klangkörper und seine solistisch hervortretenden Gruppen –, treibt Karina Cannelakis mit einer fulminanten Schärfe auf die Spitze. Bezwingend zugleich die Momente gespenstischer Weltverlorenheit, die ihr und dem Orchester im langsamen Satz Elegia gelingen, im Punkt des Umschwungs hin zum hoffnungsgetriebenen Finale.

Im Radio: Einen Mitschnitt sendet hr2 am 12. April um 20.04 Uhr.

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