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Frankfurt

hr-Sinfoniekonzert in der Alten Oper: Der Nachthimmel als sacht bewegte Statik

  • VonBernhard Uske
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Das hr-Sinfonieorchester mit Ariane Matiakh.

Ein gut halbstündiges Werk ist das Violinkonzert Bryce Dessners, das sich einer Reflexion des 1976 geborenen Komponisten auf das Wandern, namentlich das Pilgern nach Santiago de Compostela, aber auch auf das erdige und wässrige Element bezieht. Hätte man das Programmheft des hr-Sinfoniekonzerts zum Ausklang der Alte-Oper-Saisoneröffnung „Fratopia“ nicht gelesen, man wäre eher auf den Gedanken einer weitschweifigen Solo- und Tutti-Etüde in Sachen Staccato mit repetitiven Intervallsprüngen gekommen. Und zwar im Format eines endlosen Geschiebes von dominanten Streichermustern, garniert mit Bläserintonationen, die oft zusammen mit dem üppigen Schlagwerk sich in ratternder Flächigkeit dehnten. Darein gesetzt mächtige querschlagende Akkorde.

Ein mechanisch anmutender Kosmos, dem das Spiel des 44-jährigen finnischen Solisten Pekka Kuusisto immerhin ein Gesicht gab, wenn auch ein stoisches. Besonders in seiner Kadenz, die zwar im Banne des gleichförmigen Streichmodus blieb, aber Formantenbildung auf kleinstem Raum und in feiner Dynamik doch eine markante Unterbrechung bildete.

Begonnen hatte der Abend mit Charles Koechlin, dem großen unerhörten Komponisten der französischen Musik zwischen Debussy und Messiaen. Sein „Vers la voûte étoilée“ (1923-39) dokumentiert eine höchst eigenständige Weise, sich illustrativen Sachverhalten („Im Angesicht der Sterne“) zu nähern. Der Nachthimmel im charakteristischen polymorphen Aufbau Koechlins als sacht bewegte Statik.

Hatte die 1980 in Paris geborene Dirigentin Ariane Matiakh beim Violinkonzert mit ihrer Dauertakt schlagenden Zeichengebung die rhythmische Stabilität völlig im Griff, so fehlte bei Koechlin die farbig reiche Klanggebung, die sich in schwingender Räumlichkeit entfaltet. Immerhin bekam man einen Eindruck von einer Pan-Tonalität und Pan-Faktur, die sich in vielen Koechlinschen Werken noch deutlicher niederschlägt als hier, aber sich immer von trendgerechten Bewegungsmustern freihält.

Der titanische Tourist

Zuletzt erklang Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie, die „Pastorale“. Das empfindsame Narrativ einer Landpartie auf vier Kutschen-Rädern samt Rast in freier Natur und Beobachtung der bäuerlichen Landsleute. Eine Standardinterpretation mit luftiger „Szene am Bach“ und einem Gewitter, als hätte der titanische Tourist direkt neben der Kanone von Valmy gestanden. Trefflich die Spiellaune des hr-Sinfonieorchesters.

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