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hr-Bigband und hr-Sinfonieorchester: Die Macht des Freiluftkonzerts

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Von: Bernhard Uske

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Die Bassistin Kinga Glyk in Frankfurt.
Die Bassistin Kinga Glyk in Frankfurt. © ROLF OESER

hr-Bigband und hr-Sinfonieorchester locken wieder zu einem feinen „Europa Open Air“

Nach Jahren der Corona geschuldeten Abstinenz, gab es wieder das traditionelle „Europa Open Air“-Konzert von hr-Sinfonieorchester und hr-Bigband am Fuße des EZB-Gebäudes. Strahlender Sonnenschein und ein Publikumszuspruch wie zu alten Zeiten waren die Garanten des konzertanten Erfolgs auf der Weseler Werft am Mainufer. Der Hessische Rundfunk und die Europäische Zentralbank („Celebrating Europe“) als Ausrichter des Events warteten mit angesagten Solisten in den beiden Programmblöcken auf, dessen erster von der hr-Bigband in Arrangements der wie immer perfekten Gestaltung Jörg Achim Kellers bestritten wurde.

Ein Trio mit Arek Grygo (keys), Yoran Vroom (dr) und Kinga Glyk (e-b) übernahmen den solistischen Part, wobei die 1997 geborene polnische Bassistin im Zentrum stand. Sie pflegt einen gerundeteten und punktgenauen, fast apollinisch wirkenden melodiösen Ton, der den Charakter der neun Stücke (von Lennie Tristano und Buster Bailey, aber vor allem von Glyk selber) bestimmte. Treffend in die hr-Bigband vermittelt – eine Synthese aus lockerem und durchhörbarem Drive.

Lieber klatschen als singen

Ein der Bassistin offensichtlich am Herzen liegendes und von ihr erbetenes Mitsingen einer kurzen Sequenz aus Duffy Jacksons „Mercy“ scheiterte trotz eines Versuches zu üben: das Kollektiv der vereinten 12 000 Zuhörerinnen und Zuhörer ersetzte seine Maulfaulheit einfach durch allfälliges Mitklatschen: so geht Europa Open Air 2022.

Beim Auftritt des hr-Sinfonieorchesters war Beteiligung des Auditoriums nicht gefragt. Verdis Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ konnte man als ein nettes Zeit-Zeichen verstehen, dem sich das 2. Klavierkonzert Frédéric Chopins anschloss.

Ein Traumwandler

Nach der polnischen Bass-Virtuosin polnische Romantik, die einst musikalisch den gesamten Kontinent eroberte und jetzt von einem traumwandlerisch spielenden 18-jährigen Könner, dem Israeli Yoav Levanon, präsentiert wurde. Perfekt in der Feinheit und Weitschweifigkeit der nocturnalen Atmosphäre Chopins, die sich zwar sehr schön mit dem sich verdunkelnden Mainufer verband, aber auch den Redebedarf so manches Zeitgenossen beförderte. Beim brillant und intrikat zugegebenen Tastenzirkus von Franz Liszts „La Campanella“, der die Übertragungstechnik an die Grenzen der Differenzierung brachte, war dann wieder alles ganz Ohr.

Ähnlich der Eindruck bei den „Trois Nocturnes“ Claude Debussys. Feine Impressionen, perfekt zu den spiegelnden Lichtern des Flusses mit seinen vielen dort vor Anker gegangenen Booten und finalement mit den Vokalisen der Frauenstimmen aus den großen Frankfurter Chören geboten. Mit Mieczyslaw Weinbergs Suite für Orchester (eine harmlos-flotte Kurkapellenmusik) war dann Freiluftkonzertstimmung erreicht. Die Zugabe – ein Ungarischer Tanz von Johannes Brahms – setzte dem noch eins drauf.

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