Ungewohnte Formation im Sendesaal, aber es funktionierte.
+
Ungewohnte Formation im Sendesaal, aber es funktionierte.

HR-Bigband

Die HR-Bigband in Corona-Formation: Abgewandt und doch verbunden

  • vonStefan Michalzik
    schließen

Wieder in voller Besetzung: Die HR-Bigband spielt Ellington.

Rasch weitermachen, bloß nicht diese befremdliche Stille nach dem Ende eines Stücks im Raum stehen lassen. Ursprünglich war für Mitte März ein zweiteiliges Duke-Ellington-Programm der HR-Bigband annonciert. Nun kam es eine Nummer kleiner – die Bigband dabei aber erstmals wieder in voller Besetzung, als erstes Orchester der ARD, wie es heißt.

Das ist natürlich auch ein Triumph der Tontechniker. Um den behördlichen Regeln zu genügen wurde für das Programm „Rockin’ in Rhythm“, das in der Reihe Stage@Seven gesendet wurde und weiter abrufbar ist, das Schlagzeug in der Mitte postiert und alle anderen Musiker im Sendesaal kreisförmig drumherum. Sie sind mit Kopfhörer ausgestattet, manche empfangen die Vorgaben des Dirigenten Jörg Achim Keller via Bildschirm.

Die HR-Bigband präsentiert sich in einer fantastischen orchestralen Eleganz, mit ausgeprägt eigenen Arrangements Kellers. Eine Stilkopie würde dem hohen Anspruch nicht genügen, und im Übrigen bedingen, dass die markanten und den Sound prägenden Solisten des Ellington-Orchesters vom Schlage etwa des Altsaxofonisten Johnny Hodges gleich mitkopiert werden müssten.

Das Repertoire des dreiviertelstündigen Konzerts lässt den Ellington der weit ausholenden Formen und Suiten links liegen und beschränkt sich auf jenen der kompakten Songform – darunter populäre Stücke wie das von seinem kongenialen Alter ego Billy Strayhorn geschriebene „Take The ,A‘-Train“ gleich zu Beginn, „sinfonisch“ verfeinert und weicher als das Original. Auch gibt es wunderbare Trouvaillen wie eine mit schnittigen Wechseln der Bläsersätze aufwartende orchestrale Überschreibung der Nummer „Very Special“, die Ellington eigens für das grandiose, 1962 eingespielte Album „Money Jungle“ schrieb, als Pianist im Trio mit Charles Mingus (Bass) und Max Roach (Schlagzeug). In „Echoes of Harlem“ growlt Axel Schlosser an der Trompete; schmissig, wenn auch abgemildert, zeigt sich „Caravan“.

Neben den bekannten Gesichtern – Tony Lakatos am Tenorsaxofon, der Schlagzeuger Jean-Paul Hochstädter oder Oliver Leicht an der Klarinette – treten unter anderem der Pianist Volker Engelberth und Jean-Philippe Wadle am Bass hervor, famose Musiker, die teils Kollegen vertreten, die nicht anreisen konnten. Ein rundum gelungenes Konzert auf dem bekannt hohen Niveau, wenn auch der physische Kontakt fehlt, wie es Jörg Achim Keller in einem kurzen eingeschobenen Interview bekannte – nicht nur für die Musiker.

Stage@Seven ist abrufbar unter www.hr-sinfonieorchester.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare