Zoom Frankfurt

Howe Gelb und Giant Sand in Frankfurt: Er stellt alles auf Anfang

  • vonStefan Michalzik
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Eine lohnende Wiederbegegnung: Howe Gelb und Giant Sand im Frankfurter Zoom.

Ganz am Anfang gleich, und später immer wieder in dieser Art, schleicht sich Howe Gelb in einen Song hinein, mit seiner sonor raunenden Stimme, nah am Sprechen zunächst noch, von sparsam gesetzten Akkorden auf der elektrischen Gitarre schemenhaft begleitet. Dann kracht die Band los, Gelb traktiert die Gitarre unorthodox kantig und harsch. Wobei letztlich die Songs alle miteinander ausgeführt sind an diesem umjubelten Abend im gut besuchten Frankfurter Zoom mit Gelb und der derzeitigen Triobesetzung seiner Band Giant Sand. Das ist dann doch anders als etwa bei jenem denkwürdigen Konzert vor beinahe zwanzig Jahren in der Darmstädter Centralstation, als Gelb mit sarkastischer Angriffslust, dazu einem lakonischen improvisatorischen Gestus durch skizzenhafte musikalische Gespinste von schillernder Vagheit irrlichterte. Gleich ob unter dem Signum Giant Sand oder unter eigenem Namen, in schönster Zuverlässigkeit konnte man sich über die Jahrzehnte hinweg gewiss sein, dass nie ernstlich klar ist, was einen bei einem Konzert von Howe Gelb erwartet.

Mal gab es einen Gospelchor

Ein instrumentaler Abend allein am Klavier, einer mit einem sozusagen entgegen der Gebrauchsanleitung eingesetzten Gospelchor, oder, als Giant Giant Sand, mit Streichern, Bläsern und Steel Guitar zu zwölf Köpfen – um ein paar markante Beispiele herauszugreifen.

Für dieses Mal lässt sich von einem „Alles auf Anfang“ sprechen, analog zu den jüngsten Exemplaren aus der mit über fünfzig Positionen in dreißig Jahren sagenhaft unüberschaubaren Produktion: Bei „Returns to Valley of Rain“ und „Recounting the Ballads of Thin Line Men“ handelt es sich um Neuinterpretationen der ersten beiden Giant-Sand-Alben von 1985 und 1986. Was sich immer so fortsetzen ließe, mit, wie schon geschehen, neuen Soloalben zwischendrin.

Es ist sehr klassisch, was an diesem Abend mit dem 63-jährigen Pionier der Americana zu hören ist. Mitunter sieht man sich angesichts der brillant ungeschliffenen Art des Musizierens an Neil Young und seine Band Crazy Horse erinnert. Die Band ist großartig besetzt, mit der jungen Bassistin Annie Dolan und dem frühen Weggefährten Tommy Larkins am Schlagzeug. Volle lärmige Pracht, und immer wieder die charakteristischen jähen Abbrüche mitten im Stück. Altvertraut, aber von der Zeit unbeschädigt und ohne Einschränkung der Wiederbegegnung wert.

Zum Schluss gehen Gitarren und Bass reihum zu einer kleinen familiären Fete mit Gelbs Tochter Patsy Jean und deren Ehemann Christian Blunda, die vorneweg unter dem Namen Touchy einen recht ansehnlichen Auftritt als von den Sounds der achtziger Jahre angefixtes Synthiepop-Duo mit verhangen-schleppendem Klangbild hingelegt hatten. Im übrigen soll das nach – rechnet man die Frühgeschichte unter dem anfänglichen Namen Giant Sandworm mit – bald vierzig Jahren angeblich die finale Konzertreise der Band sein. Das hat Howe Gelb vor ein paar Jahren schon einmal gesagt.

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