Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Oliver Leicht.
+
Oliver Leicht.

Jazz im Palmengarten

Hohes Formbewusstsein als Leitstern

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Oliver Leicht und sein neunköpfiges Ensemble [ACHT.] kehren beim Konzert im Frankfurter Palmengarten nie ihre Virtuosität heraus.

Es ist in der Gesamtsicht eine eher verhaltene Musik, die Oliver Leicht mit seinem Großensemble [ACHT.] hervorbringt. Es ist besetzt mit vier tieftönenden Blechbläsern und einer Rhythmusgruppe. Leicht selbst, vielen vor allem als Altsaxofonist und Klarinettist in der hr-Bigband bekannt, spielt Klarinette und Altklarinette und ist somit der einzige Holzbläser.

Sein eröffnendes Klarinettensolo an diesem frösteligen Abend vor entsprechend überschaubarem Publikum in der Frankfurter Reihe Jazz im Palmengarten erinnerte in seiner sanglichen Melodiosität an Benny Goodman, einer Ehrerbietung gleich. Der 47-Jährige ist indes beileibe kein Traditionalist. Leicht bewegt sich in mannigfaltigen musikalischen Kontexten, unter anderem solchen einer Verbindung von Jazz und ambienthafter Elektronik im Umfeld des Frankfurter Labels Infracom.

Auch im Zusammenhang mit dem neuerlich nur noch nominalen einstigen Oktett und heutigen Nonett [ACHT.] behauptet Leicht eine ausgewiesen zeitgenössische Position. Die elektronischen Mittel spielen hier eine eher untergeordnete Rolle. Die musikalischen Texturen sind in einem hohen Maß kompositorisch ausgearbeitet. Den Bläsersatz bilden Linus Bernoulli, Waldhorn; Christian Jaksjø, Tenorhorn; Klaus Heidenreich, Posaune und Jan Schreiner, Bassposaune und Tuba. In der Rhythmusgruppe findet sich als Kern die Besetzung von Leichts Quartett wieder, mit dem Gitarristen Norbert Scholly, Matthias Eichhorn, Bass, und Jens Düppe am Schlagzeug. Der Pianist Hendrik Soll ist der neunte Mann im Oktett. Etliche Titel des retrospektiv durchmischten Repertoires stammen aus dem großartigen Album „The State of Things“, mit dem die schon seit beinahe anderthalb Jahrzehnten bestehende Band im vergangenen Jahr ihre dritte Veröffentlichung vorgelegt hat.

Über den splendiden kompositorischen Reichtum zwischen Nummern des mittleren Tempos und Balladen hinaus ist Oliver Leicht ein feinsinniger Arrangeur. In einer sehr gescheiten Art weiß er den Raum für die solistische Improvisation zu integrieren, nie entsteht einer schaler Eindruck von Jeder darf mal. So brillant die Musiker quer durch alle Positionen auch sind: ein hohes Formbewusstsein ist der Leitstern, es geht nie um eine Virtuositätsschau.

Wenn sich am Ende doch ein Moment von Redundanz einschleicht, liegt das an einer etwas zu häufigen Wiederkehr der Choralform. Das ist aber ein Einwand auf hohem Niveau. „The State of Things“ – es ist der Stand der Dinge im Jazz, auf dessen Höhe sich Oliver Leicht mit diesem Ensemble bewegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare