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Alte Oper Frankfurt

Hören und sehen

Sowjetisches beim HR-Sinfoniekonzert mit Aziz Shokhakimov und Behzod Abduraimov.

Die Region Choresmien südlich des Aralsees geriet in Vergessenheit, als sie im Zuge der Gründung der Sowjetunion zwischen Usbekistan und Turkmenistan aufgeteilt wurde. Das lehrte jetzt das Programmheft zum HR-Sinfoniekonzert in der Alten Oper Frankfurt, wo zuerst Suleiman Yudakovs „Choresmischer Festumzug“ (1949/51) zu hören war und quasi Pferde durch die Landschaft galoppierten, die wir uns fruchtbar und kultiviert vorstellen müssen (dank früher Bewässerungsanlagen). Suleiman Yudakov (1916–1990) war ein jüdisches Waisenkind, arbeitete sich hoch und verband in seinem höchste Filmmusikqualität bietenden Stück den Wunsch nach Bewahrung eines eigenen usbekischen Erbes mit der schwungvollen Volkstümlichkeit, die in der Sowjetunion zumeist willkommen war.

Im Großen Saal der Alten Oper bildete das ungemein alert vorgetragene Werk einen irren Kontrapunkt zum nur ein paar Jahre älteren 1. Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester (1933) von Dmitrij Schostakowitsch: auch dies ansprechend, aber dann wieder verquer und frech. Mysteriös schleicht sich die Musik heran, wird leidenschaftlich und tanz- und singbar, um sich wieder zu entziehen, zu verschieben, buchstäblich schräg zu werden. Der 1988 geborene usbekische Dirigent Aziz Shokhakimov tanzte tatsächlich dazu, seine Hände – nur manchmal mit Stab – formten den Klang, und die Reaktionsfähigkeit des Orchesters machte jede Volte leichtgängig möglich. Ein akustisches und optisches Erlebnis, an dem auch der 27-jährige, ebenfalls aus Taschkent stammende Pianist Behzod Abduraimov lebhaft beteiligt war. Der Solotrompeter der HR-Sinfoniker, Jürgen Ellensohn, bewahrte glänzende Nerven in den Klang- und Bewegungswogen, die hinreißend jung und wild und an keinem Punkt pathetisch waren.

Auch Sergej Prokofjews 5. Sinfonie, 1944 nach der endgültigen Heimkehr des Komponisten entstanden, passte zum sowjetischen Programm. Hier frappierten Transparenz und Sorgfalt in den sich ringelnden und schlingelnden Tonbewegungen, die erneut auf dem Podest des Dirigenten ihren Spiegel fanden. Im rhythmisch Dringlichen des „Adagio“ zeigte sich, dass Effekte nicht billig sein müssen, sondern besondere Zurückhaltung und Disziplin verlangen, hier in Reinform geboten. Es war nicht zuletzt einer jener Abende, an denen man begreift, was für einen unheimlich interessanten und eigenen Arbeitsalltag Schlagzeuger haben.

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