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Golda Schultz und Gustavo Dudamel in der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper Frankfurt

Himmlische Freuden

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Eine kleine Fokus-Reihe für den Dirigenten Gustavo Dudamel startet mit Schubert und Mahler.

Die Alte Oper Frankfurt, bei der sich in den nächsten Tagen beim „Musikfest“ die Ereignisse überschlagen werden, hat aber noch Zeit gefunden, flugs einen „Fokus“ auf den venezolanischen Dirigenten Gustavo Dudamel zu richten. Der erste von zwei Abenden mit dem Mahler Chamber Orchestra – dem im November ein dritter mit den Berliner Philharmonikern folgen wird – war dem jungen und dem uralten 19. Jahrhundert gewidmet. Aufbruchstimmung – und sei es Richtung Himmel – aber in beiden Fällen, zumal in der schlanken, transparenten Darbietung durch das internationale Wanderensemble, hier in zwei größenmäßig sehr unterschiedlichen Varianten gefordert.

Zuerst Franz Schuberts 3. Sinfonie, nicht übertrieben, aber klar konturiert und aufgeräumt. Dudamels eher entspannt aussehendes Anleiten ist offenbar aufmerksamkeitsfördernd, Blicke fliegen, eine privat wirkende Musiziersituation tut sich auf.

Im gleichen Geist gehen Dirigent und Orchester dann Gustav Mahlers 4. Sinfonie an, obwohl alle eben noch so stramme, jedenfalls gut sitzende Form sich jetzt auflöst. Sie geht aber nicht in Stücke dabei, sondern wird zu einem langen Atemzug. Munter und unangestrengt zunächst, dann breit und tragisch – aber ohne Pathos –, schließlich sphärisch. Die Durchhörbarkeit und Klarheit, mit der sich Stimmen umeinander schlingen, ist akademisch überzeugend und musikalisch bezaubernd. Besonders schroff wird es nie. Großartig die Holzbläser. Der Konzertmeister (mit Zweitgeige angetreten) setzt als Solist auffällig glanzvolle Akzente.

Eine echte Überraschung für die, die sie noch nicht kennen (die meisten also, obwohl sie anscheinend schon auf sich aufmerksam gemacht hat), ist die südafrikanische, derzeit in Augsburg lebende Sopranistin Golda Schultz. Sie singt mit jugendlicher Leichtigkeit, unerwartet reifer Wärme und in der Tat „sehr behaglich“ von den „Himmlischen Freuden“. Ihre Stimme vergoldet regelrecht den selbst für Mahler eigenartigen Schlusssatz, der bekanntlich milde und gewissermaßen auch lapidar endet. Beim Frankfurter Konzert hat das die längste je erlebte Pause zwischen dem Ende der Musik und dem Beginn des Beifalls zur Folge.

Überhaupt endet der Abend auf dezente Weise unorthodox, indem Golda Schultz vergnügt herumalbert und Dudamel seinen Blumenstrauß rupft, um die Stimmführer zu ehren und in Kauf zu nehmen, den hoffentlich nicht anwesenden Floristen um den Verstand zu bringen.

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