Museumsorchester

Der Herr der sieben Meere, ungestört

  • schließen

Das Frankfurter Museumsorchester mit einem amerikanischen Programm in der Alten Oper.

Durchbrechung des gewohnten Gangs der Dinge beschert die fünfte Jahreszeit, wo König Karneval das Zepter schwingt. Unterbrechung des gewohnten Tons auch bei der Frankfurter Museumsgesellschaft, deren 7. Sinfoniekonzert in der Alten Oper diesmal auf Faschingssonntag und Rosenmontag fiel.

Den Taktstock hatte Sebastian Weigle krankheitshalber an Eiji Oue abgegeben, der die ursprüngliche fünfteilige Programmfolge beibehalten konnte. Bestehend nur aus Werken, die in den USA entstanden. Mit Formaten, die sich, bis auf eine Ausnahme, aus Quellen speist, die autochthon sind und von Haus aus dem europäischen Kontext fern stehen.

Verbunden und versetzt waren sie mit diesem Kontext durchaus, was besonders bei George Gershwins „Three Preludes“ (1926, Orchesterarrangement Rainer Schottstädt) und Leonard Bernsteins „Divertimento for Orchestra“ (1980) auffiel. Musikalischer Revisionismus: ausgegrabene Wurzeln mit Verpflanzung und Umzüchtung. Das war bei Aaron Coplands „Clarinet Concerto“ (1948) weniger zu spüren, weil die Artikulationsbögen so weit, aber auch so abstrahiert sind, dass sich der Geruch der Herkunft stark verflüchtigt.

Bei Gershwin und Copland trat die gegenwärtige „Museumssolistin“ Sabine Meyer auf mit einem das Gleichgewicht zwischen forcierter Keckheit und weicher Moduliertheit wahrenden Ton. Vielleicht hätte ihr ein zupackenderer, noch kernigerer Ansatz von Seiten des Tutti-Leiters mehr gelegen. Entsprechende Parallelgestik zum Dirigat Oues war jedenfalls auffällig.

Szenisch griffige Momente

Zu Beginn gab es John Adams’ „The Chairman Dances“ (1985). Adams’ Version des Minimal-Komponierkonzepts ist durch szenisch griffige Momente bestimmt. Ein vom Orchester blendend realisierter Einstand, wo die Stilisierung durch Oue den artistischen Wert und dessen Ausdrucksebene nicht weghäckselte.

Ein besonders markantes Verschnittphänomen sind die Partituren Erich Wolfgang Korngolds, die das einstige Wiener Wunderkind für Warner Brothers schuf. Eine Suite aus seiner Filmmusik zu Michael Curtiz’ „The Sea Hawk“ von 1940 bot die Kernsätze der im Film fast pausenlos 100 Minuten als Vorder- wie Hintergrund währenden Komposition – dort versetzt mit Kriegsgetümmel und Degenfechten – als reine Musik. Eine korngoldtypische Melange mit Zutaten aus dem Kosmos eines Richard Strauss, eines Franz Schreker oder Rimsky-Korsakow. Was im Film als Dauerberieselung ein Nervpotential entwickeln kann, war in der reich artikulierten Darstellung beim Museumskonzert ein Ereignis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion