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Herbert Blomstedt mit den Bamberger Sinfonikern, Alte Oper Frankfurt am Sonntagabend.
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Herbert Blomstedt mit den Bamberger Sinfonikern, Alte Oper Frankfurt am Sonntagabend.

Alte Oper Frankfurt

Herbert Blomstedt und die Bamberger Sinfoniker in der Alten Oper: Der Zeitgemäße und der Unzeitgemäße

  • VonBernhard Uske
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Der 95-jährige Herbert Blomstedt dirigiert einen jugendfrischen Beethoven und erinnert an seinen Landsmann Wihelm Stenhammar.

Die Liste der Ü-90-Dirigenten wird immer länger, aber so lange wie Herbert Blomstedt hat bisher keiner durchgehalten. Den zeitweisen Rekordhalter Leopold Stokowski, der bis ins 93. Lebensjahr noch dirigierte, hat der schwedische, in den USA geborene Dirigent inzwischen auf die Plätze verwiesen. Der älteste Dirigent der Musikgeschichte steht im 95. Lebensjahr und das ist wörtlich zu nehmen, kommt er doch ungeführt aufs Podium und steht sein Dirigierpensum ohne Hilfe eines Stuhls durch.

Natürlich ist es für einen seit 70 Jahren aktiven Orchesterleiter nicht das Schwerste, Ludwig van Beethovens Ohrwurm-Sinfonie Nr. 5 in c-Moll zu dirigieren. Aber so, wie der kerzengerade stehende, schlanke Mann das tat, war Absprache zwecks Interpretation mit den Bamberger Sinfonikern, deren Ehrendirigent er (wie auch bei vielen anderen Orchestern) ist, sicherlich notwendig. Mit sparsamen Gesten einen entfesselten, in schnellem Tempo und im Finale mit schönstem élan terrible und éclat triomphale aufwartenden Beethoven spielen zu lassen – das hätte man eher einem deutlich jüngeren Dirigenten zugetraut.

Am auffälligsten, und durchaus von gängiger Beethoven-Routine abweichend, waren die Partien, die eine deutliche Lautstärkeminderung nahelegen. Bei Herbert Blomstedt war ein Piano oder Pianissimo tatsächlich einmal eines, und so zeigte es sich auch bei dem Werk, das vor der Schicksals-Sinfonie gespielt wurde.

„Klar und ehrlich“

Wilhelm Stenhammar ist ein schwedischer Spätromantiker, ein Unzeitgemäßer, dessen klangsprachliche Unaufgeregtheit und Bodenständigkeit im deutschsprachigen Zentrum der Avantgarde-Bewegungen kein Gehör finden konnte. Blomstedt scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, eine Bresche für seinen unterschätzten Landsmann zu schlagen, und setzt dessen „Serenade für Großes Orchester“ in F-Dur immer wieder auf seine Programme. Einen krassen Unterschied zum teutonisch-pathetischen Revolutionsklang Beethovens bietet das gut 40-minütige Werk, das 1908 entstand und gut zehn Jahre später revidiert wurde.

Eine „klare und ehrliche Musik“ sollte das Kennzeichen eines eigenständigen skandinavischem Idioms sein. Trotz seiner gewaltigen Länge und mächtigen Besetzung ein tatsächlich bescheiden wirkendes, nicht nach den Sternen greifendes, manchmal fast hausbacken scheinendes, aber immer fein durchgezeichnetes Gebilde. Ihm hat der im Todesjahr seines Schöpfers, 1925, geborene Dirigent jetzt im Großen Saal der Alten Oper mit den blendend aufgelegten Bambergern zu später Genugtuung verholfen.

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