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Klavierabend mit David Fray in der Alten Oper.
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Klavierabend mit David Fray in der Alten Oper.

Alte Oper

Heiliger Ernst

  • VonTim Gorbauch
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Der junge französische Pianist David Fray in Frankfurts Alter Oper.

Ein Alles-Spieler möchte er nicht sein. Über Debussy sagte der französische Pianist David Fray einmal, er wolle mit ihm nicht auftreten. Zu Tschaikowski, Prokofjew und Rachmaninow hält er Distanz. Und auch Chopin, bekannte er vor Jahren, wolle er möglichst wenig spielen. Tatsächlich rührte Fray, 1981 als Sohn eines Kant-und-Hegel-Forschers und einer Lehrerin (mit tschechisch-polnisch-finnischen Wurzeln) in Tarbes geboren, 15 Jahre lang kein einziges Werk Chopins an. Und nun hat er sich den Mazurken, Nocturnes und Walzern doch genähert. Die erste Konzerthälfte seines Gastspiels im Mozart-Saal der Alten Oper folgt nur einem Komponisten: Frédéric Chopin.

Doch Frays Chopin ist anders. Schmucklos fast, ohne jeden Prunk, auf eine gelassene Art nüchtern und auf Klarheit bedacht. Ohne dabei aber, und das ist entscheidend, den blühenden Schwung der Melodie zu verleugnen. „Um ein guter Chopin-Interpret zu sein“, erklärte Fray einmal, „sollte man einerseits ein guter Bach-Interpret, andererseits ein geübter Opernsänger des Belcanto sein.“

Man kann hören, was er damit meint. Und das hat faszinierende Konsequenzen. Weil Fray das Parfüm des Salons so konsequent meidet, kommt Chopins kompositorische Kraft völlig neu zur Geltung – jenes unglaublich souveräne, sich selbst genügende Spiel mit Tönen und Formen. Umgekehrt hat man Chopin auch schon viel feiner, differenzierter gehört – dieser eigene, delikate, zugleich tief in die Romantik eingegrabene Klavierton interessiert Fray kaum. Nur zuletzt, in der Polonaise-Fantaisie As-Dur, lässt er die radikal neue Klangdimension erahnen, die Chopin dem Klavier schenkte – ein ohnehin in jeder Hinsicht zukunftsweisendes Stück Musik.

Während man also Fray bei Chopin noch auf der Suche wähnt, ist sein Brahms ganz bei sich. Die 7 Fantasien op. 116, Teil eines in seiner kompositorischen Reife und Abgeklärtheit überragenden pianistischen Spätwerks, ruhen völlig in sich. Und selbst wenn der Ton sich einmal forciert, passiert das aus dem Innern der Musik heraus, fernab von jedem Spektakel. Alles ist schlicht gedacht, das aber mit geradezu heiligem Ernst. In jeder Geste Frays, sei es die sich in die Tasten hineinbohrende, gekrümmte Körperhaltung, sei es die unzugängliche Distanz seiner Erscheinung, markiert die Bedeutung dessen, was hier verhandelt wird. Das Konzert als magischer „Ort abseits unserer modernen Welt“, wie er selbst sagt, der Menschen wie in einem Ritus vereint – um gemeinsam großartige Musik zu hören.

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