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Haydn in der Alten Oper: Im strammen Temporahmen

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Von: Bernhard Uske

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Der Cellist Gautier Capuçon und das Kammerorchester Wien - Berlin in der Alten Oper

Der Krieg in der Ukraine lässt ein neues Genre entstehen: die Solidaritätszugabe. Ein meist nicht länger währendes Stück als die drei, vier Minuten, die dem Publikum normalerweise als Absacker oder Magenschließer serviert werden: akustische Resteverwertung. Nun allerdings in einem extraordinären Tonfall und entsprechender Dramaturgie – mit einem dominant schmachtenden oder getragenen Moment in der Geschmacksrichtung süßlich bis säuerlich.

Jetzt, beim Gastspiel des Kammerorchesters Wien – Berlin bei Pro Arte in der Alten Oper Frankfurt war es ein Zuckerli aus Katalonien. Ein Weihnachtslied, das Pablo Casals immer zu Beginn seiner Konzerte spielte. Eine Art klingende Praline, in der das Cello eine Friedenstaube abgibt („Song Of the Birds“), die gefedert von den Streichern ihre vorhersehbare Bahn zieht. Gegenüber den beiden Cellokonzerten Joseph Haydns, die zuvor Gautier Capuçon gespielt hatte, ein harter ästhetischer Absturz. Aber sicherlich etwas, das zwar dem geschundenen Volk nicht wirklich hilft, jedoch im Großen Saal dem Publikum gefiel. Zu kritisieren gab es am Auftritt des zwölfköpfigen Ensembles, zusammengesetzt aus Mitgliedern der philharmonischen Orchester in Wien und in Berlin kaum etwas.

Mit straffer Eleganz hatte man zu Beginn Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ gespielt. Angeführt und mächtig in Schwung gehalten vom Primarius dieses 2008 gegründeten Ensembles, Rainer Honeck, der zugleich Konzertmeister der Wiener Philharmoniker ist.

Ein wenig Zurückhaltung

Bei den beiden Haydn-Konzerten hielt man sich etwas mehr zurück, wenngleich beim C-Dur-Konzert, das erst 1961 in Prag entdeckt wurde, ein gleicherweise strammer Temporahmen wie bei Mozart gebildet wurde. In dem machte sich der schöne Strich Gautier Capuçons besonders gut. Nur bei schnellen Staccato-Läufen gab es manchmal die Tendenz zu einer Tonlosigkeit, die Uneinheitlichkeit im Timbre der Stimme erzeugte. Im D-Dur-Konzert ist die kantable Dimension entschieden größer und war der Ton des Solos durchgängig gebundener.

Den Schluss des Konzerts bildete die Haydn-Sinfonie Nr. 49, die mit ihren scharfen Intervall-Katarakten und verschlossenen bis verbissenen Gesten eine Rarität unter Haydns frühen Sinfonien darstellt. Letzte Schärfe und Deutlichkeit im Klanghabit und -gerüst wurden hier allerdings nicht gegeben.

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