Branford Marsalis mit Kurt Elling (rechts) in Frankfurt.
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Branford Marsalis mit Kurt Elling (rechts) in Frankfurt.

Branford Marsalis

Ein hartes Bett für den Sänger

  • vonGerd Döring
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Branford Marsalis mit Kurt Elling bei den Jazz Nights in Frankfurts Alter Oper.

Keine Frage, Branford Marsalis ist ein Mann schneller Entschlüsse. Und offen für Neues ist der vielseitige Komponist, Jazz-Professor und Bandleader ohnehin. Sein bestens eingespieltes Quartett, ergänzt um eine starke Stimme? Warum nicht. Und den Sänger für dieses Projekt hatte er auch fix zur Hand: „My candidate was Kurt Elling, because he has the most flexible voice around, is always in tune and is a true jazz musician.“ Zu einer engeren Zusammenarbeit kam es erst 2016, vom gemeinsam veröffentlichten Album „Upward Spiral“ stammen nun die meisten Stücke der aktuellen Tour. Viele davon gehören zu den Klassikern des „Great American Songbook“. Es sind Gemmen darunter wie „Blue Gardenia“, das durch Dinah Washington berühmt geworden ist, oder das brillante „Doxy“, das Sonny Rollins schrieb.

Gewiss keine Klangexperimente, aber auch nicht unbedingt leichte Kost, die hier im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt ein klassisch geschulter Jazzsänger und ein ausgesprochen hart und zupackend agierendes Quartett darbieten. Mit Gershwins „There’s a boat dat’s leavin’ soon for New York“ steigt der Bariton Elling in den Abend ein.

Das Wechselspiel mit dem Quartett gelingt zu Anfang gar nicht überzeugend, in Antonio Carlos Jobims „Só Tinha De Ser Com Você“ wirkt der so hoch gelobte Sänger doch recht statisch und auch das Spiel von Marsalis am Tenor im gemeinsam interpretierten „I’m A Fool To Want You“ könnte spannender sein. Stärker, schlüssiger klingt Marsalis, wenn er zum Sopransax greift und im Laufe das Abends verliert auch Elling das Nussknackerhaft-Statische und verblüfft mit so nicht oft zu hörenden gesanglichen Volten. Gewiss, er ist kein Heißsporn wie der quirlige Joey Calderazzo am Grand Piano, der kaum stille sitzen mag. Oder gar so eruptiv wie Justin Faulkner, der das Drumset beinahe niederknüppelt. Gemeinsam mit dem Bassisten Eric Revis bricht dieses Power-Duo mit üppig swingendem Spiel eine Lanze für den klassischen Jazz amerikanischer Prägung. Ein vifes Trio, das dem Mann am Mikrofon ein nicht eben bequemes Bett anbietet.

Aber der lässt in Stings „Practical Arrangement“ dann seine ganze Klasse aufblitzen und wird mit virtuoser Stimmakrobatik zum fünften Instrumentalisten. Immer stärker findet man im Laufe des Konzertes zu einer gemeinsame Sprache und Elling lässt erkennen, warum ihn die Jazzkritik daheim gleich mehrfach auszeichnete – seine Stimme ist ungemein variabel, seine Interpretation der geläufigen Standards aber auch ein klares Statement für eine längst vergangene Epoche.

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