Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ensemble Modern

Auch mit Pauken und Trompeten

  • vonBernhard Uske
    schließen

Hermann Kretzschmars „Ludwig van“-Version bei der Frankfurter Reihe Happy New Ears .

Jedes Beethoven-Jubiläum hat seine gesinnungs-ästhetische Note, und die war vor 50 Jahren, beim letzten großen Geburtstag des Meisters, auf die wieder ins Gespräch gekommenen Originaltempi bezogen. Um Angriffe auf Hörgewohnheiten ging es damals, wobei Komponisten, wie speziell Mauricio Kagel, versuchten, die als toxisch eingeschätzten Beethoven-Idiome von Heroismus, Erhabenheit oder beseeltem Dämmerzustand mit eigenen Kreationen zu destruieren.

Notenblätter überall

Kagel, der 1931 in Argentinien geborene und 2008 in Köln verstorbene Komponist und Filmemacher, hatte 1969 den Film „Ludwig van“ als spöttisches Jubel-Präludium geschaffen. Fluxus, Happening, Beuys, Dieter Roth und Wolf Vostell standen damals Pate und teils auch Statist bei dieser medialen Post-Faktizität, in der Beethoven wieder sein Geburtshaus in Bonn besucht – und neben vielem anderen dabei auch ein bis hin zu Stuhl, Tisch, Schrank und Klavier komplett mit gedruckten Notenblättern seiner Werke beklebtes Zimmer betritt.

Ein bizarrer, einstündiger Film, in dem dieses Zimmer mit seiner Noten-Tapeziererei zugleich eine Anweisung zum Musizieren im Stil der 70er Jahre mit ihren aleatorischen und offenen Formaten abgeben sollte. Eine entsprechende Partitur hat jetzt, fünfzig Jahre später, zum 250. Beethoven-Geburtstag Hermann Kretzschmar, Pianist beim Ensemble Modern und auch Komponist, realisiert. Aufgeführt wurde sie in der Reihe der Happy-New-Ears-Konzerte, veranstaltet als Internet-Ausgabe.

Jede „Ludwig van“-Aufführung, so der durch seine Monitor-Kamera aus Siegen präsentierte Kagel-Experte Werner Klüppelholz, sei dabei eigentlich eine Uraufführung, denn das Auslesen spezifischer Fragmente des Noten-Interieurs mit seinen kontingenten und perspektivisch verzerrenden Beklebungen sei immer anders und also unerhört.

Die Gesprächs-Performance der gut 70-minütigen Veranstaltung hatte unfreiwillig einen sehr speziellen Charme: Der Kagel-Experte las von seinem eigenen Bildschirm eine Art Programmhefttext ab, ob dieses Wortschwalls schien der im Dachsaal des Ensemble Modern stehende „Ludwig van“-Komponist etwas entgeistert. Danach erklang mit Dirigent David Niemann eine streckenweise deftige „Ludwig van“-Version, vergleicht man sie mit derjenigen, die zehn Tage vorher als intrikate Kammermusik durch das Ensemble Musikfabrik aus Köln ins Netz ging. Aus Frankfurt gab es dagegen – und nicht zu knapp – Bruchstücke forcierten Beethoven-Populismus auch mit Pauken und Trompeten.

Fünfzig Jahre sind vergangen seit dem erfolglosen Versuch, dem hörenden Souverän Mensch, dem Beethoven immer zuspielen wollte, den Spaß an der Marke BTHVN, wie der Meister sich selbst signierte, zu verderben. An der Hanauer Landstraße hat man auf diejenige Seite Beethovenscher Modernität gesetzt, die im éclat triomphale und élan terrible auf Emphase und Empathie ausging.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare