Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Brand New Friends erstes Album heißt ?Seatbelts for Aeroplanes?. Foto: Tom Baverstock
+
Brand New Friends erstes Album heißt ?Seatbelts for Aeroplanes?. Foto: Tom Baverstock

Neue Alben

Hammer und Amboss, Party und Protest

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
    schließen

Debüts aus Nordirland und Südengland: Power-Pop von dem Quartett Brand New Friend und Arbeiterzorn von Seán McGowan.

Warum nicht einmal den Eltern danken? Beispielsweise jenen im fernen Nordirland, die ihrem Sohnemann eine elektrische Gitarre ins Jugendzimmer gestellt und ein „play loud and never stop“ eingefordert haben. Was aus solchen Methoden erwächst, liegt nun auf dem Plattenteller: „Seatbelts for Aeroplanes“ nennt sich das Debütalbum des Quartetts Brand New Friend.

Taylor Johnson ist der von den Eltern begünstigte Bandgründer, seine Schwester Lauren bedient die Keyboards, Aaron Milligan beackert den Bass, an den Drums fuhrwerkt Luke Harris. Allesamt in den Frühzwanzigern und wohlbürgerliche Bravheit ausstrahlend, hat sich die nach einem Lloyd Cole-Song benannte Combo dem auf Punkbasis hochgeschmirgelten Power-Pop verschrieben. Dreizehn gutgelaunt durchgezimmerte Songs werden in weniger als 35 Minuten abgehandelt – schon die ersten vier sind jener zeitenthobenen Glückseligkeit verpflichtet, die sich mit dem verheißungsvollen Wörtchen „Party“ umschreiben lässt (ja, die Coverabbildung führt keinesfalls in die Irre).

Oasis-Fan Taylor Johnson – dessen Haargewuschel auf künftige Rock’n Roll-Großtaten vorausweist – hat in seine Texte gepackt, was der Studienanfänger-Generation die wunde Seele beschwert. Das Dilemma mit Du und Ich, dem Bei- und Nebeneinander, den bösen Zweifeln. Dass „Girl“ die Hitsingle ist, darf niemanden verwundern. Im abschließenden „Cold“, das wiederum geprägt ist von dem gut funktionierenden Duett-Gesang der Geschwister, wird die Stimmungslage solcherart dokumentiert: „I’m alone / I’m afraid / I’m eighteen / I’m cliché.“ Wunderbar, wie das Ganze dann mit übersteuerter Gitarre in schöner Schrägheit ausläuft.

Vorbilder, darauf ist zu wetten, haben die vier Nordiren genug – eine Palette, die sich zwischen Ramones und Lemonheads kaum erschöpfen dürfte. Als Soundgarden-Verehrer frönt der Trommler naturgemäß einem harten Schlag. Typisch in diesem Szenario auch die Keyboard-Linien von Lauren Johnson. Talent und jugendlicher Freisinn münden da umstandslos in temporeichen Spaß. Man darf gespannt sein, was der Vierer als nächstes veranstaltet, wohin die Reise führt.

Auf demselben Label ist nun ein weiterer Erstling erschienen, der ebenfalls irisches Temperament offenbart, seinen Sud jedoch auf anderen Öfen köchelt. „Son of the Smith“ von Seán McGowan – nicht zu verwechseln mit der Pogues-Furie Shane Mac Gowan! – enthält eine auf knapp 52 Minuten gedehnte Song-Sammlung, ausgereift, wortreich, sendungsbewusst. Aus dem Hafenquartier von Southampton kommt das, ein Amboss und Hammer zitierendes Signet weist die Schlagrichtung.

Über Jahre hat sich der 24-Jährige mit akustischen Darbietungen begnügt, war Mitglied der Punk-Folker von Skinny Lister, ist endlich dem unverwüstlichen Billy Bragg ins Gehege geklettert. Als legitimer Nachfolger, als neue Stimme der britischen Arbeiterklasse.

Und Seán McGowan macht es gut. Das Album – jetzt in voller Bandbesetzung und garniert mit Trompeten und anderen Köstlichkeiten – bietet neben seelenvoll-gepflegtem Songwriting auch schnelle Feger á la Joe Strummer (dessen Einfluss nicht zu unterschätzen ist). Dass der Mann den Rap-Stil ebenso beherrscht wie die klassische Intonation belebt unverkennbar. Beobachtungen des Alltags liefern den Stoff: „Romance ain’t dead / it’s in the Shopping Centre.“ Ein konstatiertes Fake-Leben, welches sich nicht nur in der U-Bahn-Station zeigt: „They keep telling me to mind the Gap as the Space between us grows.“

Kein Lamento, vielmehr ein zuweilen zorniges Dennoch. Der Hammer fällt, der Amboss antwortet, das Liedgut glüht. „Off the Rails“ heißt der vorletzte Song. In grandiosen dreieinhalb Minuten werden die Party und der Protest unverbrüchlich zusammengeschmiedet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare