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US-Sängerin Halsey bei den MTV Europe Music Awards.

Halsey

Halsey in der Jahrhunderthalle: Wie ein Schlachtengemälde

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Die Sängerin Halsey – dauerlaut und dauerwuchtig – in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Halsey ist in den USA einer der großen Popstars, Billboardcharts ganz vorn und Features mit Justin Bieber. Vor und in der Jahrhunderthalle ist nicht sehr viel los, obwohl angeblich ausverkauft ist. T-Shirts für 35 Euro in Batikoptik, es läuft Rap, 21 Savage und Young Thug, es läuft ein Werbevideo. Es sind mehr Frauen als Männer da, sie sind in etwa so alt wie Halsey, also Mitte 20, sie tragen bauchfreie Tops und manchmal Plateauschuhe.

Zuvor spielen Pale Waves, eine Band aus Manchester, zwei Frauen, zwei Männer, die Musik läuft mittlerweile unter Indierock, es ist Musik, die die Melancholie der 80er genau so liebt wie die gedehnten Vokale des Pop-Punks. Das klingt live nach Größerem, alles hallt. Das ist einerseits brachial auf Erfolg produziert, aber diese Hooks sind großartig, zumindest in dreißig Minuten.

Die Stimme Heather Baron-Gracies ist oft etwas zu doll, laut, hoch und genau da wird es spannend: Wo ein Wohlfühlhit, der an einem vorüberflöge, dann doch ordentlich Halbwertszeit kriegt. Dafür ist ihre Stimme da, sie verifiziert, dass es bei all dem eben doch um Teenage Angst geht. Oder, das passt zum politischen Horror der letzten Tage in Thüringen, um so eine Art Hufeisentheorie der Adoleszenz, wonach sich Euphorie und Schmerz an den Rändern immer näher kommen. Nur ist an dieser mehr dran als an der politischen Version.

Halsey kommt auf die Bühne, sie wird, das ist erstaunlich und löblich, manchmal mehr klingen nach The Weeknd oder gar den Nine Inch Nails als nach Katy Perry. Soll heißen: drastisch und laut. Und das, was vielleicht EDM-Marker sein könnte für „Ich mag mein Leben“ oder auch „Ich würde dich gerne küssen“, es ist hier dauerlaut und dauerwuchtig – und damit wahrhaftiger als EDM es je war, denn natürlich ging es noch nie um „ich würde gerne“ sondern um „ich will“.

Die Show dazu ist bis kurz vor Ende ziemlich reduziert. Sie, der Schlagzeuger. Sie krawallt sich über die Bühne, sie sagt etwas darüber, dass sie vermutlich in Deutschland nur etwas sehr Peinliches über sich erzählen müsste und alle würden es witzig finden, und ich muss überlegen, ob da etwas dran ist.

Dass es dann doch gewöhnlicher und austauschbarer wird, sie was von „Hold them tight“ erzählt und eine Band auf die Bühne holt, ist minimal zu befürchten gewesen, es fällt nicht ins Gewicht. Mainstreampop wie ein Schlachtengemälde.

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