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Und sie verschwindet in der Remise: Haiyti. Paul Spengemann
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Und sie verschwindet in der Remise: Haiyti.

Rapperin Haiyti

Haiyti „Mieses Leben“: Sie leuchtet überall

  • VonStefan Michalzik
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Ausgefuchstheit mit DIY-Attitüde: ,,Mieses Leben“, das neue Album von Haiyti.

Mein Anspruch“, hat Haiyti einmal in einem Radiointerview gesagt, „ist wirklich, etwas Eigenes zu erschaffen.“ Nicht zu klingen wie irgendein Vorbild. Das gelingt ihr ganz prächtig, weshalb sie ein Liebling der Feuilletons ist. Nun hat die in Hamburg aufgewachsene und inzwischen in Berlin lebende Musikerin ihr drittes Album binnen zehn Monaten herausgebracht, „Mieses Leben“ heißt es. Gleichgültig, welche Mengen zu veröffentlichen Haiyti zu ihrem künstlerischen Programm gemacht hat, der Facettenreichtum in Texten und Musik bleibt erstaunlich.

Der Titel der ersten Nummer, „Robbery Is Back“, könnte auf den ersten Blick auf ein ,,Zurück zu den Anfängen“ als leitenden Faden verweisen. Doch das ist, wie so vieles bei Haiyti, doppelbödig. Robbery war eines der Pseudonyme von Ronja Zschoche, bevor sie sich Haiyti zu nennen begann. Also zurück zum Straßenrap der frühen Tage? Im Text heißt es: „Erstes Album Havarie/Damals war ich Robbery/ Mit Musik nichts verdient/ Ich habe mit Drogen gedealt.“ Und weiter: ,,Haiyti Legend/ Pa-pam-pam (...) Pa-pa, pa, uh, ey/ Hände hoch, ich schieß’, das hier ist ein Überfall (trr)/ a, ich komm’ im Ghost und ich leuchte überall (hah)/ Sie kennen mich von den Streets, meine Sneaker UK3 (ja)/ Robbery ist back und es endet mit einem Knall (brr)“.

Da Spielt Haiyti einmal mehr ironisch mit den Stereotypen des Rap-Genres, wie sie das ja so gern tut. Mit Selbstmystifizierung und Omnipotenzgehabe. Ein klassisches Motiv des Raps ist das Streben nach Erfolg, oder, wie es im Titel eines Albums von 50 Cent manifestiert ist: „Get Rich or Die Tryin’“. „Ich bin ein Vorstadtmädchen, Rollkragen von Prada (oh)/Kau mir kein Ohr ab wegen klauen bei Karstadt (oh).“ Der Erfolg, der bislang hinter der herausragenden Bedeutung dieser Künstlerin im Rap deutscher Sprache zurückbleibt, ist immer wieder Objekt der Ironie, so auch auf diesem Album. „Warum hatt’ ich diesen Dream?/ Trapstar all day, Red Cups und Lean“, heißt es gleich im Intro.

Das Album:

Haiyti: Mieses Leben. Hayati Records/Urban.

Düstere Texturen

Die Songs stellen sich bei weitem nicht so poppig dar wie beispielsweise auf „Montenegro Zero“ (2018), dem „offiziellen“ Debüt nach einigen vorausgegangenen Alben und „Mixtapes“, oder auch „Sui Sui“ und „Influencer“, den beiden Meisterwerken aus dem vergangenen Jahr. „Ich hab hunderttausend Fans/ Die mich alle noch nicht kennen“, rappte Haiyti in einem der bekanntesten Songs von „Montenegro Zero“. Der ganz große Starruhm dürfte ihr ob der düsteren Trap-Texturen auf „Mieses Leben“ wohl weiterhin versagt bleiben.

Charakteristisch für die Hervorbringungen von Haiyti sind ihre gewitzten Reime und Sprachspielereien. „Hab’ kein Vertrauen, der Tiger, er faucht, im Paradies Krise/ Und ich verschwinde in der Remise.“ Die Wörter wie auch der Sound sind geprägt von einer für sie typischen, äußerst eigenständigen Mischung aus Ausgefuchstheit und DIY-Attitüde. Immer differenzierter wird der Umgang mit Autotune auf der Stimme. Immer weniger ist es Effekt, immer stärker das erweiternde Mittel einer Kunst des sich ständig wandelnden Ausdrucks.

In „Was noch“ heißt es, dass die Rapperin gar nicht mehr nach oben wolle: „Mann, ich bin dort schon gewesen und ich fands nicht so toll“. Was trotzig klingt. Doch womöglich ist Haiytis Weg tatsächlich ein ganz anderer.

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