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Haiyti erhält 2018 den Echo. 

Haiyti

Haitiy im Zoom: Überwiegend Pop

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Die Rapperin Haiyti gibt sich im Frankfurter Zoom nicht als Animateurin.

Auf „Montenegro Zero“, ihrem 2018 nach mehreren vorangegangenen Eigenproduktionen erschienenen Majordebüt, hatte Haiyti in einer nicht besonders ernst gemeinten Fantasie davon gesungen, dass „die Kleine“ (1 Meter 55 Körpergröße) jetzt Kasse mache, samt eigener Parfüm- und Kosmetik, Mode-, Schuh- und Werweißwasnoch-Linie. Viel lobpreisendes Aufsehen hat die Hamburger Rapperin bei der Kritik hervorgerufen, mit Recht ist sie als die große Hoffnung des Raps deutscher Sprache gehandelt worden. In die großen Hallen ist sie mit ihren Konzerten einstweilen noch nicht eingezogen, für ein bestens besuchtes Frankfurter Zoom indes ist die Fanschar groß genug.

„Gangsta-Pop“ nennt die 26-Jährige selbst ihren Stil. Mit der Betonung auf Pop. Haiyti und ihre Produzenten greifen glaubwürdig die aus dem amerikanischen Underground kommenden, für den Fortschritt im Pop der zehner Jahre prägenden Genres Trap und Cloud Rap auf. Die zähflüssigen, zur Flächigkeit neigenden Synthiesounds mit den schleppenden Beats und der ausgiebige Einsatz von Autotune-Effekten auf der Stimme klingen für die Verhältnisse des hiesigen Raps einigermaßen unkonventionell – gleichwohl gelingt Haiyti, die von Geburt Ronja Zschoche heißt, in den nicht gerade von Reichtum gesegneten Verhältnissen einer Hamburger Plattenbausiedlung aufgewachsen und im Rap-Underground verwurzelt ist, der Transfer zu einem Mainstream-Publikum. Unterwegs ist Haiyti mit ihrem neuen Album „Perroquet“, veröffentlicht ausschließlich als Download und auf Vinyl; die CD brauchen heute angeblich nur die sprichwörtlichen ZDF-Zuschauer, alte Leute also. Und Leute über Mitte dreißig sind bei diesem Konzert an einer, oder allerhöchstens zwei Händen abzuzählen. Den Autotune-Effekt setzt Haiyti neuerdings, zumindest im Konzert, sparsamer ein, ein Vorteil.

Sie macht nicht auf krass

Nochmal Stichwort „Gangsta-Pop“: Haiyti macht mitnichten auf „hübsch krass“. Eine milde Form der genreüblichen Selbstfeier mit Tendenz zur (friedfertigen, hier auch eher selbstironischen) Allmachtsfantasie hier und da, viel aber geht es um Empfindungen und Stimmungen, auffällig ist die Zahl der Lieder, in denen sie, meist gebrochen, von Liebe spricht. „Ich finde keinen Frieden, denn ich glaube an die Liebe/ Gefühle überwiegen, die Wahrheit wird zur Lüge“. Dass das Leben etwas mit Entfremdung zu tun hat, davon künden unterschwellig viele der Lieder.

Es ist Haiyti, die genregemäß von einem DJ-Elektroniker begleitet wird, gelungen, sich einen gewissen DIY-Charme zu bewahren. Habituell macht sie nicht auf „die aus dem Ghetto“, Texte und Auftreten sind klischeefern. So banal das auch klingen mag: sie wirkt natürlich. Und gibt sich nicht als die Animateurin; die Stimmung kommt auch so auf, die Refrains ihrer geläufigsten Songs singen ihre Anhänger ohnehin im Chor mit. Sie verabschiedet sich mit einem Verweis auf ihre Präsenz am Merchandise-Stand: „Autogramme gegen T-Shirts, ihr kennt den Deal“. Das sind klare Verhältnisse.

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