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Der Rapper Haftbefehl.
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Der Rapper Haftbefehl.

Rap

Haftbefehl „Das Schwarze Album“: Tack, Tack, Tack

  • vonNicklas Baschek
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„Das Schwarze Album“ des Rappers Haftbefehl.

Ich komm’ von Hass, Gewalt und Schmerz, Asphalt, Beton und Terz.“

Dazu ein schleifendes Sample und ein Bass, tief und bauchig. Natürlich müsste das Album so losgehen. Bis dahin sind schon zwei Songs gelaufen, bevor „Kokaretten“ mit dieser Zeile, die überdauern wird, so wie der Beton, von dem sie spricht. Im HipHop ist alles aus Beton und Stahl und Glas, es gibt keine Natur. Der Beton ist so menschengemacht und schwerfällig und scheinbar unveränderbar wie die Verhältnisse, von denen Haftbefehl auf seinem sechsten Album, genannt „Das Schwarze Album“, wieder mal rappt.

„Trau dich nicht in unsre Gegend / Denn traurig unser Leben“: Er rappt das vielleicht abgeklärt, eher erschöpft. Vielleicht hat der, der das erzählt, Frieden gemacht mit seinem Leben. Vermutlich nicht. Der Hit „Offen / geschlossen“ treibt voran, drei Kicks, Szenen wie aus einem Manga. Der Blick ist gesenkt, immer. Zeitlupe. Schwarz. Grau. Grell. Leuchtreklame über dem Asphalt.

Haftbefehl findet wieder viele Sätze, die knallen: „Ich wasch’ mir die Schmauchspuren aus der Seele.“ Und dann wieder maximale Verknappung, die wohl am besten zu seinem Flow passt: „Knast. Rein. Knast. Raus.“ Es gibt in diesen Passagen keine Melodie, nur Tack, Tack, Tack. Vielleicht eine Poesie der Fließbänder und der Industrieparks.

Das Album:

Haftbefehl: Das Schwarze Album. Universal Music.

Haftbefehl gleitet nicht, er stanzt. Alles ist aus Ks, kehlig. Es gibt die witzige Szene von vor Jahren, als Haftbefehl von der Journalistin Visa Vie in einem Interview darauf angesprochen wird, dass Wikipedia schreibe, er arbeite stark mit stimmlosen velaren Frikativen. „Genau, so würde ich es auch sagen“, antwortet er.

Es wäre ein Leichtes, das ganze Schauspiel auch des aktuellen Albums dadurch zu versimpeln, dass man nur die vendettaschwarze Hoffnungslosigkeit wahrnimmt. Das passiert gerne, wenn der Rap dafür verteidigt wird, dass er halt davon erzähle, was „da unten“ und „da draußen“ passiere, zermalmt zwischen Armut und Rassismus. Rap sei Klassenkampf ohne Klassenbewusstsein, sagte einer der „Erfinder“ des deutschen Straßenraps, Marcus Staiger, einmal, ein schöner Satz.

Zerdehnt wie im Rausch

Nun ist auch das womöglich eine chauvinistische Fantasie, dass da überall Kampf wäre. Öfter geht es mit recht großer Sicherheit ums Durchkommen und Durchwuseln. Das Bild wäre dann eher: Rap ist Lebenskunst. Es hieß in „Offen / geschlossen“: „Und die Wucht von der Pumpgun schickt dich dann zu Gott.“ Der Song nimmt das Tempo raus, die Stimme zerdehnt wie im Rausch, weggeschossen.

Als Haftbefehl sein Album promotete, ließ er sich vom Hessischen Rundfunk einen Tag begleiten. Er wollte lieber am Main spazieren als durchs Bahnhofsviertel. Später fährt er da mit dem Auto vor, spendiert den Kids ein Essen und beschwert sich, warum man seine Kinder am Bahnhof rumhängen ließe, das hätte sein Vater nie zugelassen. Auf Instagram teilt er Stories, in denen der Fernseher läuft, Kinderkanal, er ist früh aufgestanden, sagt er, und hat Frühstück gemacht für seine Kinder.

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