Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurter Kantorei

Händels „Messias“ mit der Frankfurter Kantorei: Beispielhafte Heilsgeschichte

  • VonBernhard Uske
    schließen

Die Frankfurter Kantorei mit dem „Messias“ in der Alten Oper.

His yoke is easy / His burthen is light“: fast konnte man meinen, Winfried Toll, der Leiter der Frankfurter Kantorei, habe sich die zwei Zeilen aus Händels „Messias“ zum interpretatorischen Maßstab genommen. Jedenfalls passte das „sein Joch ist sanft / die Bürde ist leicht“ auf die Präsentation des Chors. Dem war sein vergangenes Jahr zu feierndes 75-jähriges Bestehen durch Corona verhindert worden, was jetzt im Großen Saal der Alten Oper nachgeholt wurde.

Es war ein grandioser Auftritt trotz der gewöhnungsbedürftigen Leichtigkeit und Sanftheit der Artikulation der Kantorei, die über die Jahre von Kurt Thomas, Helmut Rilling, Horst Schäfer und seitdem von Winfried Toll geleitet wurde und wird. Nicht nur eine Perspektivveränderung des Chorsatzes ging mit dem auch für historisch orientierte Ensembles ungewohnt weichen und lockeren Klang einher, sondern auch der gänzliche Verzicht auf theatralische Züge. Zugleich gab es eine Gewichtsverlagerung hin zu den Solistinnen und Solisten, die ja mehr die Geschehnisse der messianischen Heilsgeschichte vortragen, während der Chor seine innerweltliche Bedeutung für die Gläubigen vermittelt.

Ein seraphischer Sopran

Dem Ansatz kam die Qualität der Vokalsolistinnen und -solisten zugute. Was die Sopranistin Anna Dennis und der Bass Hanno-Müller-Brachmann an Stimmführung und Schönheit der Artikulation boten, war beispielhaft. Der seraphische Sopran, streng und von einer vokalen Haltung größter Gefasstheit und Souveränität, der Bass in affektiver Beweglichkeit und durchschlagender Vokalkraft. Der Alt (gesungen von Countertenor Dmitry Egorov) sowie der Tenor (Georg Poplutz) boten mit ihrem feinen Stimmmaterial dezente Intensität.

Das hatte alles Klasse, wie man sie sonst kaum einmal erlebt. Unerhört waren die Duette von Sopran und Alt sowie Alt und Tenor. Klangvolle Timbrierungen, Ruhe und ergreifende Melodiezüge in einem fort, Anna Dennis streifte mit „I know that my redeemer liveth“ das Sublime.

Genau gewichtete Toll die Eintrübungen des Klanggeschehens bei den passionaten Partien. Madrigaleske Abgründigkeit und schönste polyphone Verwebungen bestimmten den dritten Teil bis zur Amen-Fuge. Mochte dem einen oder anderen Zuhörer, der einen oder anderen Zuhörerin das agitatorische, manifestative Sendungsbewusstsein auch fehlen – der theologische Gehalt war jedenfalls auf nicht veräußerlichte Weise gegenwärtig.

Zum vokalen Glanz von Solos und Chor kam die herrlich schmal geschnittene und doch auffällige Figur der Camerata Frankfurt – der interpretatorische Schlussstein eines großen Abends.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare