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Blixa Bargeld und Teho Teardo.

Blixa Bargeld im Mousonturm

Im Habitus der Legende

Blixa Bargeld mit dem italienischen Filmkomponisten Teho Teardo authentisch im Frankfurter Mousonturm.

Von Stefan Michalzik

Schon lange geht Blixa Bargeld neben der Fortschreibung seiner Band Einstürzende Neubauten immer wieder neue Allianzen mit anderen Musikern ein – wie beispielsweise mit dem als Alva Noto firmierenden Künstler Carsten Nicolai. Vor drei Jahren haben Bargeld und der italienische Filmkomponist Teho Teardo das gemeinsame Album „Still Smiling“ herausgebracht, nun sind sie mit einem zweiten auf Konzertreise, „Nerissimo“ heißt es, der Eindruck dieses Abends im ausverkauften Frankfurter Mousonturm ist ein starker gewesen.

Über allem liegt eine Aura der irisierenden Intensität. Mit seiner in einer sonoren Art knarzigen, meist dem Sprechen nahen Stimme gibt Bargeld eine spezifisch pathetisch-schwarzromantische Form des Croonertums, im gönnerhaften Habitus der Legende, sein obligatorischer schwarzer Dreiteiler glitzert dieses mal. Vereinzelt bringt er nach bekannter Art Töne in der Manier von Tierlauten hervor.

Es ist der Standpunkt einer gewissen Erhabenheit, der aus den – von Fall zu Fall auch gemischt – deutsch-, italienisch- und englischsprachigen Texten spricht; in einer wechselnden Gewichtung sind die Momentaufnahmen eines Rolf Dieter Brinkmann eine poetologisch-historische Referenzgröße dafür wie auch die Negierung einer vordergründigen Sinnstiftung durch Dada – in einzelnen Fällen sind sie in einer schlichten Art humorvoll.

Meist ist die repetitiv geprägte Musik von Teho Teardo durch eine Dramaturgie der allmählichen Steigerung von Volumen und Intensität gekennzeichnet. Bis zu einem gewissen Grad knüpft das Duo damit an die Phase an, in der die Stille bei den einst stahllärmerischen Einstürzenden Neubauten sexy geworden war. Das Ensemble besteht aus einem Streichquartett sowie einer elektrifizierten Cellistin und einem Bassklarinettenspieler – letztere Klangfarbe ist mit „Nerissimo“ neu eingezogen; Teardo spielt E-Baritongitarre – ein Instrument mit Zwitterstellung Richtung Bass. Die Arrangements changieren zwischen Kargheit und klangmächtiger Fülle. Die dunklen Töne herrschen vor, oftmals in einem akzentuierten Zusammenklang von Gitarre, Cello und Bassklarinette, zugleich gibt es Momente eines gleißend überzogenen Celloklangs; vorproduzierte Klänge, Chöre beispielsweise, spult Teardo aus dem Laptop.

Lange schon ist Blixa Bargeld eine Erscheinung von unabgegoltenem Nimbus. Immerwährend macht er seine Sache in einer brillanten Art gut, die Kunst eines stilsicheren Alterns ist ein Teil davon. Die sinatrahaft vitale Routine ist seinem Auftritt durchaus zuträglich.

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