AC/DC-Leadgitarrist Angus Young beim Konzert in Leipzig, 2016.
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AC/DC-Leadgitarrist Angus Young beim Konzert in Leipzig, 2016.

Musik

Haben wir schon immer so gemacht

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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„Power Up“ klingt exakt so, wie ein neues Album von AC/DC klingen muss

Lästermäuler behaupten, die australische Rockband AC/DC habe ohnehin nur zwei verschiedene Lieder komponiert – „Highway To Hell“ und „Whole Lotta Rosie“ – sowie die Eröffnungshymne für Fußballspiele am Millerntor auf St. Pauli („Hells Bells“). Alles andere sei die immer gleich klingende Variation eines dieser unbestreitbar genialen Evergreens.

Das ist natürlich eine hässliche Lüge. Aber auf ihrem 17. Studioalbum „Power Up“ erlaubt sich das Quintett offenbar den Eröffnungsscherz, genau dieses Klischee zu bedienen: Die Tracks Nummer 1 und 2, „Realize“ und „Rejection“ ähneln einander auf eine Weise, dass man sich fragen muss, ob das wirklich schon der Übergang zum nächsten Song war. Oder beginnt das Album gerade von Neuem?

Tut es nicht. Leadgitarrist Angus Young und seinen Kollegen gefiel es wohl einfach, das bewährte Gebräu aus A-, G- und D-Harmonien gleich zu Beginn des neuen Werks ausführlich zu feiern. Warum auch nicht. Es funktioniert ja seit 47 Jahren (siebenundvierzig!), es wird weiter funktionieren. In letzter Zeit funktionierte es wie noch nie, die beiden jüngsten Alben landeten fast überall auf Platz 1. Die Band hat sich auf einen Fünf- bis Sechs-Jahres-Rhythmus für ihre Neuschöpfungen verlegt. Einst erschienen auch durchaus schon mal zwei AC/DC-Alben in einem Jahr. Aber das war eben einst, als man noch gar nicht genug Taschengeld hatte, um da mitzuhalten, und trotzdem über den Schulhof grölte: „Cause I’m TNT – I’m dynamite!“ Das sollte man sich heute besser nicht mehr in der Öffentlichkeit erlauben.

Geschirr klappern lassen

Das Album

AC/DC: Power Up. Columbia/Sony Music.

Im weiteren Verlauf des neuen Werks variiert die Band also durchaus, streut mal vertrackte Rhythmen ein („Through The Mists Of Time“), gibt sich mal verhalten („Wild Reputation“, „No Man’s Land“), dann wieder jagend („Money Shot“). Oder wie man auch sagen könnte: alles wie immer.

Erfolgskonzept waren und sind Youngs knackige Gitarrenriffs, die jederzeit das Geschirr im Küchenschrank klappern lassen, und dazu die Stimme einer bösen alten Hexe aus dem Körper eines gutaussehenden jungen, oder sagen wir: jung gebliebenen Mannes. Meist handelt es sich um das dreigestrichene C und benachbarte Tonhöhen.

Inhaltlich geht es überwiegend um den engeren Kontakt zu jungen Damen. Da liebt sie es etwa, ihn verrückt zu machen, schüttelt ihn die ganze Nacht, legt Eigenschaften an den Tag, die üblicherweise PS-starken Motoren zugerechnet werden, kann jedenfalls nicht genug bekommen, während er sie hypnotisieren und ins Paradies bringen wird, sie gar fliegen zu lassen verspricht in den nächsten Stunden, ehe die Sonne aufgeht. Im Großen und Ganzen das Repertoire aus Hänsel und Gretel, mit dem sich am besten Nachschub für den Ofen organisieren lässt. So auch auf dem aktuellen Werk.

Produziert hat es Brendan O’Brien, der schon die AC/DC-Chartsstürme von 2008 und 2014 organisierte und außerdem mit praktisch allem zusammenarbeitete, was laut und erfolgreich ist, von Aerosmith bis Soundgarden. Es gelingt ihm, die Band so klingen zu lassen, wie sie immer klang – ein hohes Gut für Fans, die sich über kaum etwas so sehr ärgern können wie darüber, dass die 17. Platte ihrer Lieblinge nicht so röhrt wie die erste.

Eine Kunst ist das schon deshalb, weil AC/DC einen Verschleiß an Bandmitgliedern hat wie sonst nur hochverschuldete spanische Fußballklubs der Primera Division. Die Tränen der Mädchen um den bereits 1980 verstorbenen Sänger Bon Scott sind Legende. Später mussten sie zwei ehemalige Bassisten und den Rhythmusgitarristen Malcolm Young betrauern, den 2014 dahingeschiedenen Bruder von Angus. Die zweite Gitarre spielt jetzt sein Neffe Stevie. Außerdem kloppten nicht weniger als sieben Schlagzeuger im Lauf der Jahre den Takt zum harten Sound der Familie Young. Immerhin, die Trommler sind alle noch am Leben. Rock sei Dank.

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