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Ulrich Tukur.
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Ulrich Tukur.

Highlight in Frankfurt

Sie grüßen den Mond

  • VonVolker Schmidt
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Ulrich Tukur mit den Rhythmus Boys und mit Nachtliedern in der Alten Oper Frankfurt.

Fast Neumond über der Alten Oper, und ohnehin bewölkt. Stockdunkel auch drinnen. Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys suchen sich mit Funzeln den Weg auf die Bühne. Vorspiel zu Wolfgang Borcherts Gedicht „Laternentraum“: „Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein“. Mit dem 1947 jung verstorbenen Dichter ist das Panorama des Abends gespannt: Mondlieder vornehmlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kleine Fluchten zum Trabanten aus deutschem Biedermeier und Weimarer Verhältnissen, aus Black-Friday-New-York und Tonfilm-Hollywood.

Neil Armstrong sei der uneheliche Sohn von Louis und einer isländischen Gespielin, behauptet Tukur, parliert vom ersten Mann auf dem Mond über den Raketenbauer Wernher von Braun zu Cole Porter. Tukur hat, folgt man seinen skurril geflunkerten Ansagen, höchstselbst einige der wichtigsten Songs aus dem Programm „Grüß mir den Mond“ inspiriert, ob „Night and Day“ oder „Begin the Beguine“ oder „In the Moon“, wie der Glenn-Miller-Hit eigentlich heiße.

Nicht nur Tukur, der zu Klavier und Akkordeon singt, auch die Kollegen an Gitarre, Bass und Schlagzeug verfügen über schauspielerische Qualitäten. Gitarrist Ulrich Mayer hat das Haar über die hohe Stirn gekämmt wie ein schmieriger Versicherungsvertreter, Bassist Günter Märtens (knapp 2,10 Meter) und Schlagzeuger Kalle Mews (geht ihm bis zum Stirnbein) schwingen als Paar das Tanzbein. Das Männerballett lässt grüßen. Der Hochstapler-Humor der Ansagen ist auch musikalisch Programm. Die Tanzkapelle mimt kaschemmenhafte Zweitklassigkeit. Der Swing ist gewollt brüchig, selbst italienische Canzones tönen nach urdeutscher Provinztanzdiele. Mayer wird als Musikwissenschaftler eingeführt, er agiert als Sachbearbeiter seiner sechs Saiten: kurze, leicht steifgliedrige Soli, sonst Schrumschrumschrumm.

Märtens stakst im mitternachtsblauen Pyjama mickjaggerig über die Bühne zu „Let’s spend the night together“. So beginnt die zweite, reichlich karnevaleske Hälfte des Konzerts. Manchmal ist es Dada, manchmal alberner Kindergeburtstag. Aber da sind auch Momente wie die „Nasse Lyrik“, von Eva Busch auf Schellack gebannt: eine lunatische Berliner Nachtszene. Oder „Mit der letzten Straßenbahn“, die ein scheiterndes Liebespaar durch eine weltkriegsverdunkelte Großstadt fährt, im Original von Ilse Werner. Oder auch „La Paloma“, als instrumentale Zugabe mit Dampfertuten auf dem Akkordeon und Möwengekreisch von den hohen Gitarrensaiten lyrisch inszeniert. Schade, dass die Poesie zwischen den Kalauern etwas untergeht.

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