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Greta van Fleet.
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Greta van Fleet.

Rock

Greta van Fleet „The Battle at Garden’s Gate“: Mit geblähten Klangsegeln

  • VonPhilipp Kause
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Die US-Rocker Greta van Fleet blicken gern zurück und haben’s gern leinwandgroß und dramatisch.

Ein Blick auf sechs- oder gar neunminütige Songlängen zeigt: Greta van Fleet trauen sich die Wucht von Led-Zeppelin-Kompositionen zu. Auf „The Battle at Garden’s Gate“ entspinnen sich Breitwand-Dramen, großes Kino in Liedformat. Diese Rockband atmet den Geist der frühen 70er. Als sich Gitarrengruppen in analogen Tonstudios Zeit für hunderte Takes und für Konzeptalben nahmen. Das Quartett ist wohl die nächstbekannte Greta nach Thunberg. Tatsächlich agiert die Band mit ihrem „Garden’s Gate“-Titel ein bisschen im Dienste der Klimaaktivistin. Denn: gemeint ist mit „Gate“ eine Schranke, Pforte zwischen der verbliebenen Natur, die von menschlicher Zivilisation unangetastet ist – und den Bedrohungen für diese wilden Gebiete.

Vom Nordrand der USA stammen die Musiker selbst, drei Brüder nebst Drummer. Die namengebende Gretna, mit N, van Fleet, ist dort im 5000-Seelen-Ort Frankenmuth eine Musikerin von lokaler Bekanntheit. Ihren 88. Geburtstag feierte sie bei einem Konzert der Band. Die Classic-Rocker sind Landeier. Frankenmuth liegt nahe eines Nachbarsees des Lake Michigan. Der Ort entstand einst dank deutscher Auswanderung, kurz vor den großen Goldräuschen. Heute spielen Greta van Fleet ihrer Plattenfirma Gold ein. Mit Goldstatus verkauften sich jeweils die erste EP und LP.

Auf der neuen Scheibe verleihen die US-amerikanischen Nordlichter einem romantischen Gefühl von Freiheit Ausdruck. Sie lassen die Gitarren und melancholischen Harmonien lässig ausschwingen. Der melodiösen, tänzelnden Nummer „Broken Bells“ hört man zugleich die kalifornische Sonne von L. A. an, wo die Combo alles einspielte. „Light My Love“ trumpft mit lautmalerischem Gesang, wenig Text und schwelgerischer Stimmung auf. Sänger Josh(ua) pflegt wie eine Art Gespenst seiner selbst einen eigenwilligen Gesangsstil in jaulender Tonlage und eruptiver Phrasierung, mit teils überraschend langen Bögen, bevor er seinen jugendlichen Mezzosopran dann in halbwegs schluchzenden Ausrufen erstickt.

Das Album:

Greta van Fleet: The Battle at Garden’s Gate. Lava/Republic/Universal.

Der Track „Caravel“ zeugt eindrucksvoll von der seltsamen Mischung aus Blues, Operette und Hardrock in seiner Intonation. Eine Karavelle ist ein Segelschiff des Typs, wie ihn europäische Königshäuser für die Erkundung der Welt und dann für die Kolonialisierung einsetzten. Auch im meterdick auftragenden „The Barbarians“ wenden sich van Fleet historischen Anspielungen zu. Mythologie und Härte sieht Frontmann Joshua als Charakteristika des gesamten Song-Dutzends, textlich wie klanglich.

Alles aus dem Leib klagen

„The Barbarians“ brennt sich mit Unerbittlichkeit ein. Sakrale Stimmung und Heavy Rock überlagern einander. Josh Kiszka klagt sich hier alles aus dem Leib, vor intensivem Choral-Background und solch gravitätischen Gitarrenriffs, wie man sie aus Led Zeppelins Klassiker „Kashmir“ kennt. Womit überhaupt kein Vorwurf erhoben sein soll: Kümmerte sich die letzte CD ums Reproduzieren alter Zeiten, gehen die Brüder Kiszka heute souverän mit ihrer Retro-Vorliebe um und zaubern spannendere Dramaturgie als noch 2018.

So ist der Abschluss „The Weight of Dreams“ nicht deswegen lang, weil er proggig wäre, sondern weil Lyrik, Schreie, Bassspielereien, ein kurzes Drum-Solo und ein langes, bebendes Solo an der Sechssaitigen jeweils für sich und ganz zu Recht Zeit zum Nachklingen beanspruchen.

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