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„Ich schere mich nicht um die Regeln“: Gitarren-Legende Jeff Beck ist tot

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Von: Stefan Krieger

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Jeff Beck spielte mit verschiedenen Bands in und um London, bis ihn Jimmy Page den Yardbirds als Nachfolger von Eric Clapton empfahl. Das machte ihn berühmt.

London – Bekannt wurde er mit Bubblegum-Pop bei den Yardbirds, später holte er sich Rod Stewart und Ronnie Wood in seine Gruppe und spielte rauen Blues, wechselte dann zu Psychedelia, Funk, Jazz-Fusion und sogar Techno. Ganz egal, welches Genre, Jeff Beck war immer seiner Zeit voraus. Irgendwie ist er das – gefühlt – auch jetzt. Jeff Beck starb im Alter von 78 Jahren nach einer plötzlichen Erkrankung an bakterieller Meningitis, wie am späten Mittwochabend auf seiner offiziellen Website und den sozialen Medien mitgeteilt wurde.

Es ist in der Musik ziemlich müßig, darüber zu debattieren, wer in seinem jeweiligen Genre, auf seinem bevorzugten Instrument, der oder die „Größte aller Zeiten“ ist. Zumal „alle Zeiten“ ja noch nicht erlebt sind, maximal die Vergangenheit. Aber Beck war immer dabei, wenn die Floskel in Zusammenhang mit seinem Instrument, der elektrischen Gitarre, gebracht wurde.

**FILE PHOTO** Jeff Beck Has Passed Away at 78
Jeff Beck: In seinen späten Jahren wird die weiße Fender Stratocaster zum Markenzeichen. © IMAGO/Erik Kabik Photography

Jeff Beck: Ein Musiker für Musiker

Beck war stets ein „Musiker für Musiker“. Den Massengeschmack hat er nur selten bedient, und wenn, dann als Gastmusiker oder Sideman für andere Solisten. Der achtfache Gewinner des US-Musikpreises Grammy arbeitete im Laufe seiner langen Karriere mit zahlreichen anderen Größen des Musikgeschäfts zusammen, darunter Jimmy Page, Rod Stewart, Roger Waters und Jon Bon Jovi.

„Im Namen seiner Familie geben wir mit tiefer und umfassender Trauer die Nachricht von Jeff Becks Ableben bekannt“, hieß es auf Becks Website. Beck sei nach seiner Erkrankung am Gehirnhautentzündung „friedlich“ entschlafen.

Der aus einem Vorort von London stammende Beck brachte sich sich das Gitarrenspiel selbst bei. Berühmt wurde er in den 1960er Jahren mit den Yardbirds, wo er den ausgeschiedenen Eric Clapton ersetzte. Bei den Yardbirds spielte Beck mit Jimmy Page zusammen, der später die Kult-Band Led Zeppelin gründete.

Beck beeinflusste Generationen von Gitarristen mit seiner Virtuosität und Experimentierfreudigkeit. Er sprengte die Genregrenzen, brillierte im Hard Rock und Rhythm and Blues ebenso wie in Jazz und Funk.

Bereits kurz nach Bekanntgabe von Becks Tods zollten zahlreiche Rock- und Popstarts dem einstigen Mitglied der berühmten britischen Band The Yardbirds Tribut. Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger rühmte den Verstorbenen als „einen der größten Gitarrenspieler der Welt“. Jimmy Page - ebenfalls ein Rockgitarrist mit Legendenstatus - pries Becks „einzigartige Technik“ sowie „offenbar grenzenlose Imagination“.

Jeff Beck ist tot: In jedem Song die Regeln gebrochen

„Ich schere mich nicht um die Regeln“, sagte Jeff Beck einmal. „Vielmehr ist es so, dass wenn ich nicht in jedem Song mindestens zehnmal die Regeln breche, ich meinen Job nicht richtig mache“. Das Magazin „Rolling Stone“ setzte Beck im Jahr 2015 auf den fünften Platz der 100 größten Gitarristen aller Zeiten.

Sein letztes Projekt war ein Album, das er zusammen mit Johnny Depp veröffentlichte. Das brachte Jeff Beck wieder ein paar Schlagzeilen ein. „18“, so der Titel des Albums, erschien im Zuge der Verleumdungsklage von Depp gegen seine ehemalige Frau Amber Heard.

Dieses Thema überschattete den Inhalt des Albums, der so unvorhersehbar war wie immer. Bei dem Versuch, die Tracklist zu erklären – Coverversionen von Velvet Underground oder Killing Joke stehen solche von den Beach Boys und Smokey Robinson gegenüber – äußerte Jeff Beck einen Satz, der sinnbildlich für seine ganze Karriere, sein ganzes Leben steh. „Interessante Dinge passieren“, sagte er, „wenn man offen dafür ist, etwas anderes auszuprobieren“. (skr/afp)

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