Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Franz Schubert (1797-1828).
+
Franz Schubert (1797-1828).

„Lass irre Hunde heulen“

Gisbert zu Knyphausen singt Schubert: Weltschmerz, so ganz ohne Frack

  • VonStefan Schickhaus
    schließen

„Lass irre Hunde heulen“: Schubert-Lieder von Gisbert zu Knyphausen.

Als Kind muss Franz Schubert eine schöne Stimme gehabt haben. Einen hohen, klaren Sopran, darum wurde er ins Wiener Stadtkonvikt aufgenommen. Doch wie klang seine Stimme als Mann? Wir wissen, dass er viele seiner Lieder selbst gesungen hat, wenn er nicht gerade einen besseren Sänger zur Hand hatte. Eine Opernstimme wird er nicht, einen schön lyrischen Tenor könnte er gehabt haben. Davon war aber nie die Rede, wenn es um die Beschreibung seiner Person geht.

Vielleicht sang Schubert auch ganz kunstlos, vielleicht kehlig. Er sang seine Lieder in Hinterzimmern von Wirtshäusern, für seine Freunde, das Hammerklavier dazu war sicher kein Prachtinstrument, manchmal musste eine Gitarre reichen. Dafür dürfte er auch freier mit Verzierungen umgegangen sein als heutige Konzertsänger, dafür gibt es jedenfalls Hinweise.

So wie Gisbert zu Knyphausens Stimme wird die des Komponisten Schubert sicher nicht geklungen haben. Nicht so heiser, so ungeschult, ja dilettantisch, das soll nicht böse gemeint sein. Doch wenn dieser aus dem Rheingau stammende Singer-Songwriter Schubert-Lieder singt, ist er vom originalen Schubert-Ton vielleicht gar nicht einmal viel weiter weg als der befrackte Startenor beim Liederabend in der Philharmonie.

Das Album:

Gisbert zu Knyphausen: Lass irre Hunde heulen. Edel/ Neuer Meister.

Gisbert zu Knyphausen singt Schubert – das war eine Idee von Kai Schumacher, der als Pianist und Komponist den Schubert-Liedern das Artifizielle wegnehmen wollte, das sich über diesem Lied-Kosmos mit der Zeit aufgebaut hatte. Und bei zu Knyphausen fand er Türen und Ohren bereits geöffnet für diese Idee, schließlich hatte der als junger Mann eine berauschte Sylvesternacht erlebt, in der er den Winterreise-„Leiermann“ vorgespielt bekommen hatte. Da können sich schon Synapsen neu verbinden.

Eine unerhörte Klangwelt

„Lass irre Hunde heulen“, so heißt ein Album mit zehn Liedern in neuen Arrangements, auf seiner Art gesungen von Gisbert zu Knyphausen. Zehn Lieder, rund 40 Minuten, das klingt wenig für eine CD, aber es ist gut so. Denn die Klangwelt ist eine derart andere, unerhörte, dass man besser nicht zu viel davon zu sich nimmt. Die Synapsen wollen nicht zu arg verheddert werden.

Ausgerechnet der „Leiermann“ funktioniert so aber nicht. Was im Original hypnotisch und abgründig klingt, wird hier merkwürdig aufgepumpt. Anderes dagegen „Gute Nacht“: Durch einen kalten künstlichen Ensemble-Sound dringt eine verzweifelt unsichere Stimme, das hat etwas enorm Menschliches. „Nähe des Geliebten“ mit der lässigen Gitarren-Begleitung rückt in die Nähe des Lagerfeuers, vielleicht am Strand von Hawaii, der große Weltschmerz bekommt eine Auszeit.

Umso inniger wirkt danach „Du bist die Ruh’“ – ja, die Mischung ist wild –, Gisbert zu Knyphausen begleitet sich dabei selbst am Klavier, eine originäre Aufführungssituation sozusagen. Beim „Ständchen“ fehlen zwar zu Beginn die charakteristischen triolischen Wechselnoten, doch Charakter hat das Lied allemal. Und ausgesprochen gelungen ist, dass diese 40 Minuten enden mit der „Litanei auf das Fest Aller Seelen“, ein demütiger, rührender Abgesang. Ja, Demut ist jedenfalls zu spüren bei diesem Album. Angebrachterweise. Alles andere wäre ja auch Hybris. Gisbert zu Knyphausen ist ein großartiger Singer-Songwriter, Franz Schubert aber ein unerreichter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare