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Frankfurter "Capriccio" im "Bühnenbild des Jahres" von Johannes Leiacker.

Oper Frankfurt

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Frankfurt hat das "Opernhaus des Jahres".

Bernd Loebe findet auch, dass man solche Titel nicht überschätzen sollte, aber er hat mal nachgezählt und festgestellt, dass die Oper Frankfurt zehn Stimmen als „Opernhaus des Jahres“ bekommen hat. Die Salzburger Festspiele kommen auf vier, München, Stuttgart und die Komische Oper Berlin als klassische Mitbewerber auf jeweils zwei. Das ist relativ deutlich. Die Oper Frankfurt gewinnt das Rennen zum vierten Mal, zum dritten Mal (nach 2003 und 2015) während der Intendanz Loebe.

Die fünfzig Musikkritikerinnen und -kritiker (vorwiegend Kritiker), die an der jährlichen Umfrage in der Fachzeitschrift „Opernwelt“ beteiligt waren, wählten außerdem Johannes Leiackers Riesenorangerie für Brigitte Fassbaenders Frankfurter „Capriccio“-Inszenierung zum „Bühnenbild des Jahres“ und den Bariton Johannes Martin Kränzle zum „Sänger des Jahres“ – nicht zuletzt für seine Rolle als Schischkow im Frankfurter „Totenhaus“, wenn auch vor allem als Beckmesser in den Bayreuther „Meistersingern“. In der genialen Regie von Barrie Kosky wurde das zugleich die „Inszenierung des Jahres“. 

Knapp, Loebe hatte schon Zeit, sich alles anzusehen, und ist uns ständig eine Nasenlänge voraus, wurde die Frankfurter Produktion „Der Mieter“ von Arnulf Herrmann (Musik) und Händl Klaus (Text) nicht zur Uraufführung des Jahres, stattdessen Heinz Holligers „Lunea“ aus Zürich. Der „Regisseur des Jahres“ ist im übrigen Peter Konwitschny, das Orchester des Jahres das der Bayerischen Staatsoper, und herzerfrischender Weise hat es Erich Wolfgang Korngolds „Das Wunder der Heliane“ in der grandiosen Inszenierung von Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin zur „Wiederentdeckung des Jahres“ geschafft. Aus München stammt das wie immer hart umkämpfte „Ärgernis des Jahres“: Der Malerfürst als Opernausstatter, womit die Kritiker vor allem den von Georg Baselitz gemalten „Parsifal“ meinten. Aber auch an Neo Rauch und Rosa Loy mit dem „Lohengrin“ in Bayreuth ließ sich natürlich schlecht gelaunt denken.

Gute Laune also in Frankfurt. Loebe hat bei solchen Gelegenheiten keinerlei Probleme damit, auch den Flop einer Saison zu benennen, den aus London eingeflogenen „Troubadour“, der andererseits die bestverkaufte Produktion der (zur Rede stehenden) Saison 2017/18 gewesen sei. Die Sänger hingegen seien reihenweise krank geworden. Umgekehrt läuft gegenwärtig wieder die nun prämierte Strauss-Oper „Capriccio“ und hat Loebe zufolge (bei ihrer ersten Wiederaufnahme!) bislang eine Auslastung von 30 bis 40 Prozent. Der Operngänger ist selbst in Frankfurt kein geheimnisvolles Wesen, er folgt seinem Haus interessiert durch den Stapel der Neuinszenierungen und schaut sich anschließend schon verdammt gerne an, was er bereits kennt. Dabei ist die Repertoirepflege in Frankfurt spektakulär. 

Er habe sich selbst zuletzt die Frage gestellt, so Loebe, ob er mit seinen Programmen womöglich doch etwas überziehe. Auch in solchen Momenten ist eine Auszeichnung gut (die zweite für das Haus in diesem Jahr, in der Autorenumfrage der „Deutschen Bühne“ belegte es im August Platz 1 der Kategorie „Überzeugende Gesamtleistung eines Hauses“). Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig, mit den teils etwas wirren Sanierungs-Diskussionen für die Städtischen Bühne befasst, findet den Zeitpunkt glücklich, als „Signal in die Stadt hinein“ – obwohl man als glückliche Operngängerin die Auszeichnung nicht benötige, um zu wissen, was man hier habe. 

Und Loebe kündigte noch an, demnächst wieder an einige Zentralwerke zu gehen, Mozart („das braucht auch das Orchester“), Wagner („Tristan“), Puccini. 

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