Tinariwen

Geschichten von Trampeltieren

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Doch die Politik tritt zurück beim Konzert der Tuareg-Band Tinariwen im Frankfurter Palmengarten

Die Anfänge sind natürlich längst ein Mythos. Die Band Tinariwen ist Anfang der achtziger Jahre von Tuaregrebellen in einem von Gaddafi gegründeten Flüchtlings- und Militärcamp in Libyen gegründet worden. Für die Belange ihres Nomadenvolkes setzen sie sich seit dem Friedensschluss mit der malischen Regierung 1992 nur noch mit Gitarren ein. Zunächst wurde ihre Musik in der Region auf Kassetten verbreitet, mit der Veröffentlichung des Albums „The Radio Tisdas Sessions“ im Jahr 2001 sind Tinariwen für den musikalischen Weltmarkt erschlossen worden, samt Grammy und allem Drum und Dran.

Tranceartig schleppende Rhythmen machten das Bild der ersten Hälfte des Konzerts in der vom Mousonturm ausgerichteten Reihe Summer in the City im Palmengarten aus. Die inzwischen mehrfach umbesetzte und im Exil in Marokko und den USA lebende Band, in Frankfurt als Septett in Erscheinung getreten, bringt überlieferte melodische und rhythmische Strukturen und einheimische Instrumente wie die afrikanische Kelchtrommel Djembe und die Kalebasse mit elektrischen und akustischen Gitarren und Rockschlagzeug zusammen. Die Musiker um die beiden alternierenden Leadsänger, den Texter und Gitarristen Ibrahim Ag Alhabib und Abdallah Ag Alhousseyni, treten in lindbunten, Tradition und Heutigkeit verbindenden Beduinengewändern auf, fast alle mit Turban und Gesichtsschleier. Die popmusikalische Verschmelzung von Tradition und Moderne ist trefflich ausbalanciert. Nach der Pause geht die Musik entschieden mehr nach vorne weg. Rockiger ist sie nun, treibender und lauter; episodisch findet sich eine recht gefällige Rapnummer im Repertoire.

Die Texte, mit kehligen Stimmen gesungen überwiegend in der Tuaregsprache Tamahaq und mal auch in Französisch, handeln neben anderem von Leere und Einsamkeit – im Sinne eines aufgeriebenen Volkes in einem politischen Niemandsstatus. „Elwan“ – Elefanten – lautet der Titel ihres Anfang des Jahres erschienenen siebten Studioalbums: Neben der malischen Armee und den Islamisten von Al-Kaida sparen sie auch die UNO bei ihrer Kritik an den auf die Region einwirkenden Trampeltieren nicht aus.

Selbstverständlich versteht kaum ein Mensch ein Wort. Die politischen Gehalte vermitteln sich allein über die mediale Sekundärwahrnehmung. In einer entspannten Art regt die Musik zum Mitwippen und viele vorne an der Bühne auch zum Tanzen an. Eine famose Band an einem lauen Sommerabend im Palmengarten – da steht die Politik naturgemäß hintan.

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