Fehlfarben

Geschichte wurde gemacht

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Die Fehlfarben retro im Frankfurter Club Das Bett.

Die Fehlfarben touren wieder und spielen diesmal ihr Debütalbum „Monarchie und Alltag“ komplett durch. Am Ende, zur Zugabe, werden sie noch ein paar andere Sachen spielen, aber im Fokus steht dieses unverwüstliche und gut gealterte Album von 1980. Peter Hein, der Sänger und Texter, stieg 1981 wieder aus, angeblich, weil er nicht genug Urlaub bekam, um auf eine fünfwöchige Tour zu gehen.

Das Frankfurter Bett ist sehr voll und es wurde offensichtlich umgebaut, es gibt jetzt noch etwas mehr Platz. Zwei Bands spielen vorneweg, Die Radierer aus Limburg und eine Nina-Hagen-Coverband „aus dem Rhein-Main-Gebiet“. Eine Coverband davor, zumal diese hier, das ist kein gutes Zeichen.

In der Pause laufen Brian Eno und David Byrne mit ihrem großartigen und der Zeit vorauseilenden „My Life in the Bush of Ghosts“. Das Album machte das Sampling populär, es nahm afrikanische und arabische Rhythmen auf, die Ideen Steve Reichs, und war dabei durchweg gut hörbar. Das Konzept schluckte nicht den Tanz. Das passt. Aber wie ist damit umzugehen, dass sich für die Innovation keiner hier interessiert, der jünger als fünfundvierzig ist? Das ist ja ein maßgebliches Problem: Hier wird so etwas wie Gesellschaftskritik geübt mit grandiosen musikalischen wie textlichen Mitteln und Einfällen – und kaum einer geht hin, der nicht auch schon 1980 dabei war.

Natürlich kriegen sie das Album „Monarchie und Alltag“ nicht kaputt, einen Song wie das in zweiter Ordnung pöbelnde „Das sind Geschichten“ kriegt keiner kaputt. Die Schlagzeugerin Saskia von Klitzing spielt präziser und wuchtiger als es die Vorgänger je taten, Peter Hein ist witzig, er sagt auch etwas zum Elefanten im Raum: „Jetzt spielen wir etwas, nun ja, Neues. Also wir denken ja in Dekaden. Wir spielen also etwas Neues, das ist zehn Jahre alt.“

Aber warum spielen sie einen Film vorneweg, ernsthaft, aus Bildern aus dem Ratinger Hof in Düsseldorf von Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger? Da ging das alles los, ok, Fehlfarben, DAF, selbst Die Toten Hosen und so fort. Aber wer will das noch sehen in einem Konzert, einer Situation des Hier und Jetzt, einer Möglichkeit, ja, der Präsenz? Staub, Grauschleier, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat. Das ist eine der vielen Zeilen von Peter Hein, die sehr lange halten wird.

Peter Hein ist sichtlich geschafft, immer wieder stellt er sich an den Bühnenrand. Er wirkt, als freue er sich und die Leute sind ja auch begeistert. Er wirkt, als sei er auch ein klein wenig froh, dass es geschafft ist.

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