Biennale für Moderne Musik

Gescheiterter Transit zwischen allem Möglichen

  • schließen

Die Idee war gut, die Umsetzung gelang jedoch nicht gänzlich: Auftakt der Biennale für Moderne Musik in der Alten Oper.

Im Großen Saal der Alten Oper begann cresc – Biennale für Moderne Musik. „Transit“ ist das Thema mit dem Untertitel „Zwischen Kunst und Politik“. „Wir wollen auch politisch Position beziehen“ hieß es bei der Publikumsbegrüßung. Dicht gedrängt saßen hr-Sinfonieorchester und Ensemble Modern zusammen, um „Verbinden und Abwenden“ aufzuführen.

Ein Werk der türkischen Komponistin Zeynep Gedizlioglu, das 2016 entstand. Um Ideen gehe es der 40-Jährigen, „die über den Bereich des rein Musikalischen ins Gesellschaftliche und Kulturelle hinausweisen.“ Wären die Musiker des Ensemble Modern, die eine 14-köpfige Solisten-Gruppe darstellen sollen, im dunklen Casual-Look der hr- Sinfoniker nicht durch bunte Hemden, Blusen, Jacken aufgefallen – man hätte von dem Spannungsfeld zwischen kollektivem Block und Ensemble-Einzelnen nichts gemerkt.

Ein breites Klangband vertrauter Neue-Musik-Idiomatik mit viel Klangfläche und schlagartigen, klumpigen Tutti-Expositionen schuf ein zwar illustratives Stimmungsbild von Unbestimmtheit und Störung – aber ein Transit war da nicht zu vernehmen.

Im Ton der Komponistin war es „ein Gestalten miteinander verbinden, sie einander entgegenstellen oder unverbunden lassen, sie in ihren Verbindlichkeiten und Unverbindlichkeiten wahrnehmen und anerkennen.“ Neben soviel allem Möglichen war der Impulsvortrag des ehemaligen ARD-Hörfunkkorrespondenten für Ostasien, Peter Kujath, von schöner Deutlichkeit. Die Anerkennung der Sinnbezüge der einen und der anderen als Wechsel der Blickrichtungen, Verständnis des Gegners am Beispiel von Nord- und Südkorea sowie der japanischen Abschottung – das hatte mit Transition im Denken und Wahrnehmen zu tun.

Philippe Manourys „Situ“ von 2013 bediente sich eines seit der venezianischen Mehrchörigkeit bekannten einfachen Prinzips der Raumklang-Wanderung. Das mächtige Tutti-Orchester saß auf den Seitenrängen und dem Balkon, solistische Gruppen und ein Streichorchester auf dem Podium.

Gewaltige Kaskaden von blech- und schlagzeuggewürzten Klangballungen strahlten ins Parkett, schwappten aufs Podium, wo die dortigen Musiker in sehr verwischter Präsenz sich zu manifestieren suchten. Ein gescheiterter Transit, denn das großartige „Pansonopticon“ mit den vom Üblichen abweichenden Ortungen der Klangquellen verdankte sich allein den Stimmen aus der Höhe. Das Ganze exzellent realisiert von den vereinten Musikern von hr und Ensemble Modern, die von Ilan Volkov ohne jede Unbestimmtheit geleitet wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion