Beak> im Zoom

Gesang gibt es auch

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Portishead-Mastermind Geoff Barrow und seine Band Beak> spielen im Frankfurter Zoom so vor sich hin.

Was Geoff Barrow anfasst, was er tut und was nicht, muss von Relevanz sein. Er war schließlich der Soundarchitekt von Portishead, Mastermind eines Mythos also. Er hat seit 1991, seit Gründung der Band, die existentielle Tiefe neu vermessen und – man kann das so pathetisch sagen: das Verhältnis von Intimität und Abstraktion neu definiert. Was also will Barrow mit dieser rumpelnden, stoisch repetitiven, Schlieren ziehenden Elektro-Krautrock-Band namens Beak>, die er 2009 gemeinsam mit Billy Fuller und Will Young ins Leben rief?

„Beak> ist das“, erklärte Barrow einmal vor Jahren ganz lapidar, „was dabei herauskommt, wenn drei Leute, die Musik lieben, frei vor sich hin spielen. Bass und Schlagzeug, verschiedene Rhythmuselemente, darüber liegen die Gitarren. Gesang gibt es auch, aber eher im Hintergrund. Das Ergebnis ist Musik, die hoffentlich etwas weniger langweilig ist als der Kram, den man sonst so zu hören bekommt.“

Ungefähr mit dieser Haltung betreten Barrow, Fuller und Young die Bühne des Frankfurter Zoom. Entspannt, selbstbewusst, aber ganz ohne Glam. Als ginge man mal eben in den Proberaum. Der Freiheit der Form, die sie sich nehmen, der Lust am Experiment steht eine geradezu mechanische Rhythmik entgegen. Man kennt diese Reibung von alten Bands wie Can; Barrow will die Musik ja auch nicht neu erfinden, er will nur nicht in Formeln und Popstereotypen ersticken: „Natürlich“, sagt er, „sind wir von Can oder Neu! beeinflusst. Ich würde sagen, das lässt sich ab einem gewissen Alter gar nicht vermeiden“.

Ihre Songs klingen live verblüffend ähnlich wie im Studio und wirken viel unkomplizierter, viel weniger produziert, als man das denken konnte. Ihr Epizentrum ist nicht die Gitarre, nicht Barrows Schlagzeug und auch nicht der flirrende, vibrierende Sound an sich, sondern der Bass. Sie sind genauso sperrig wie catchy, ernsthaft und verspielt, das haben Beak> von Sonic Youth gelernt. Überhaupt ist irrsinnig viel Wissen hier auf der Bühne versammelt, aber nichts hat muckerhafte Arroganz. Drei mittelalte Männer eben, die Musik lieben und frei vor sich hin spielen.

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