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Gershwin in der Alten Oper: Gewitzte Reime

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Von: Bernhard Uske

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Das erfrischende Gershwin Piano Quartet in Frankfurts Alter Oper.

Klaviertranskriptionen von groß besetzter Musik wirken oft wie das Fahren auf den Felgen, wo man die Beschaffenheit der Fahrbahn direkt spürt und die gesamte Fahrt rhythmisch aufgeraut erlebt. Ähnlich ging es einem jetzt beim Gastspiel des Gershwin Piano Quartet bei Pro Arte im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt. „An American in Paris“ und auch „Rhapsody in Blue“ erscheinen üblicherweise gut unterfüttert und stoßgedämpft, was deren Biss, Witz und motivisches Profil oft minimiert. Beim Klavier mit seinen eher punktuellen Klangemissionen ist die Gefahr von Natur aus geringer und erst recht, wenn die Schweizer Arrangeure des sinfonico-concertanten Gershwin selber vor den anzuschlagenden Tasten sitzen.

Mehr Gerüst, mehr Konstruktion, mehr treibende und pressende Diktion, aber auch größere Freiheit in der Artikulation sowie mehr Luft im Zuspielen und Ineinandergreifen der Bewegungsabläufe – das war das erfrischende und einem artistischen Werkanspruch bestens entgegenkommende Ergebnis dieses Zugriffs. Die Pianisten André Desponds, Benjamin Engeli, Stefan Wirth und Mischa Cheung boten zudem quartettgerechte Virtuosität, die keine Wünsche offen ließ.

Für Gershwin wie auch für Cole Porter war die Alte Welt mit ihrer Metropole Paris ein olympisches Erlebnis. Hier boten sich den transatlantischen Newcomern Ansprüche, die sie forderten und die sie umgehend einzulösen suchten. Maurice Ravel, einer der etablierten Olympiker, war seinerseits von den ästhetischen Reizen der Neuen Welt affiziert und machte sich auf Idiome des Jazz seinen eigenen, kühl-gewitzten Reim. Den präsentierten die Schweizer Pianisten zwar nicht, wohl aber erklang Ravels Abgesang auf den Walzer: „La Valse“ vierflügelig. Ein schwieriger Versuch, was die neblig-fluide Atmosphäre, ein gelungener, was die berstende und brachiale Finaldestruktion dieser Orchesterchoreografie angelangt.

Im Blues-Tempo

Samuel Barbers 2.Satz aus „Excursion“ – „in slow blues tempo“ – klang, im Original gespielt, wie eine fast passacaglia-strenge Adaption rhythmischer und harmonischer Blues-Typologie, während Camille Saint-Saëns „Dance Macabre“ sich für eine Klavierquartettfassung regelrecht aufdrängte. Bei Solowerken teilte sich das Quartett jeweils die Darbietung, die vier zeigten auch als Solisten ihr spieltechnisches Potential.

So bei Ravels „Valses Nobles et Sentimentales“, Joseph Kosmas „Autumn Leaves“ und Michael Jacksons „Bad / Smooth Criminal“. Jacksons Vorbild Cole Porter kam natürlich mit „Night and Day“ (in Quartettfassung) zu Gehör. Und zuletzt Leonard Bernsteins „Songs and Dances aus West Side Story“, wo der transparente, körnige und leichte Klang des Gershwin-Quartetts noch einmal Begeisterung auslöste.

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