Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Georgia Anne Muldrow Foto: Drew Gurian
+
Georgia Anne Muldrow

Musik

Georgia Anne Muldrow: Knüpferin mit den flinken Händen

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Die fabelhaft wandelbare Georgia Anne Muldrow und ihr Album „VWETO III“

Das Debüt von Georgia Anne Muldrow, „Olesi – Fragments of an Earth“ (2006) war songförmig strukturiert. Erschienen ist es beim in San Francisco ansässigen Label Stones Throw, einer Brutstätte für neue Entwicklungen in der Popmusik über die Genregrenzen hinweg. Schon hier zeichnete sich der experimentierversessene Ansatz ab, der den weiteren Weg der afroamerikanischen Musikerin bestimmen sollte. Ungeheuer ihre Produktivität, gegen zwei Dutzend Alben weist die Werkliste der 38-Jährigen aus – Enttäuschendes habe ich von ihr noch nie gehört.

Bei den Nummern von „VWETO III“, ihrem neuesten Wurf, handelt es sich um Tracks. Ein Weg, den sie schon mit den ersten beiden Folgen dieser Trilogie (2014 und 2019) einschlug. Der Gesang spielt nur eine randständige Rolle, anders als auf dem im Vergleich beinahe schon konventionellen R’n’B-Album „Overload“ (2018) – bei ihrer letzten Veröffentlichung „Mama, You Can Bet“ (2020) hingegen handelte es sich um das dritte Jazzalbum, das sie unter ihrem Kinder-Kosenamen Jyoti veröffentlichte, den ihr einst Alice Coltrane gab, eine Freundin der Musikerfamilie, aus der Muldrow stammt.

Eine Repetition in einer losen Verwandtschaft zu Techno, ein Groove nach Manier von George Clintons P-Funk und eine Affinität zum Free Jazz sind die Elemente, die das Klangbild auf „VWETO III“ in der Hauptsache prägen. In einer wechselnden Gewichtung: Nummer um Nummer, 17 sind es in nicht ganz einer Stunde, erschließt sich eine neue Welt.

Einzelne Worte, wiederholt

Klavier, E-Orgeln und Synthesizer sind die zentralen Instrumente auf dem von Muldrow weitgehend allein eingespielten Album, daneben finden sich beispielsweise auch Fagott und Vibrafon. Worte tauchen nur in nicht ganz einer Handvoll der Tracks auf; es handelt sich immer nur um einzelne Phrasen in mehrfacher Wiederholung.

Mitunter wechselt die Stimmung von einem Track zum anderen filmschnittartig abrupt. „Show Drag“ ist gleichsam eine umgewidmete Rocknummer, mit einer gniedelig bluesigen E-Gitarre im Umfeld von improvisatorischen Klavierlinien. Das Prinzip der quasi unendlichen Repetition einer kurzen musikalischen Phrase macht „Throw Back Baps“ aus. Grenztechnoid, mit Kraftwerk’schen Synthielinien stellt sich „Boom Bap’s My Homegirl“ dar; „Grungepiece“ indes ist ein musikalischer Kurzfilm noir.

Vweto steht in der kongolesischen Sprache Kikongo für Schwerkraft – der Afrofuturismus ist neben dem Hip-Hop die Wurzel für den stiloffenen ästhetischen Impuls von Georgia Anne Muldrow. Das stete Wechselspiel von Repetition und Kontinuitätsbruch stellt das grundlegende strukturelle Prinzip auf diesem Album dar.

Ihr Anfang der Nullerjahre begonnenes Studium an der New School of Jazz in New York mit Schwerpunkt Gesang hat Georgia Muldrow irgendwann geschmissen. Zu viel Schubladendenken dort. In die Schublade des Jazz als einer „schwarzen Folklore“, hat sie in einem Interview gesagt, habe sie sich nicht einordnen lassen wollen – so hat sie sich der elektronischen Produktionsweise zugewandt. Sie bewegt sich mit Behändigkeit zwischen den Genres. Verknüpft eines mit dem anderen. Und die Tradition mit der Zukunft.

Georgia Anne Muldrow: „VWETO III“. Verfügbar bislang nur via Internet, etwa über das als musikerfreundlich gehandelte Portal Bandcamp.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare