1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Von gelassener Intimität

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Ibeyi-Zwillinge.
Die Ibeyi-Zwillinge. © Veranstalter

Auftakt zu Summer in the City mit dem Zwillingsduo Ibeyi: Eine ausverkaufte Palmengarten-Arena in Frankfurt für ein melancholisch-positiv gestimmtes Konzert.

Von Stefan Michalzik

Den Albumfassungen ihrer Musik nach zu schließen, könnte diesen beiden jungen Frauen auch so ein bisschen etwas „über der Welt“ Schwebendes eigen sein. Aber nein, auf der Konzertbühne stellen sie sich als gefällige Entertainerinnen dar, als Stimmungsmacherinnen gar. Erst mal ein koketter Auftrittsgag mit einer noch hinter der Bühne gesungenen A-cappella-Phrase, dann gleich eine Geste zur Befeuerung des herzlichen Begrüßungsapplauses, später gibt es mehrfach die Aufforderung zum großchorischen Mitsingen.

Das kubanisch-französische Zwillingsduo Ibeyi ist vor etwas mehr als Jahresfrist für den Zauber seines gleichnamigen Debütalbums quer durch die Medien gefeiert worden. Tatsächlich haben die beiden mit Anfang zwanzig bereits einen ganz eigenen Ton entwickelt, in einem Zusammenklang von explizit heutigen Techniken der musikalischen Produktion und dem Gebrauch traditionell-ethischer Stilelemente.

Nun haben sie zur Eröffnung des vom Frankfurter Mousonturm ausgerichteten Festivals Summer in the City in der ausverkauften grünen Arena um die Konzertmuschel des Palmengartens gespielt.

Der stete Wandel des Klangbilds ist eine Konstante in dieser Musik, in der sich alles in einer so gelassenen wie konzentriert intimen Art zueinander fügt. Vom Ausgangspunkt eines englischsprachigen Singer/Songwritertums treffen die Sprache und die Gesänge der in Westafrika heimischen Yoruba, deren Kultur über den Sklavenhandel nach Kuba getragen wurde, mit den reduktionistischen elektronischen Beats eines James Blake zusammen.

Dabei gibt es ein häufig wiederkehrendes Schema: Die Songs beginnen in englisch, dann gleiten sie in das Yoruba über. In einer mal melancholischen, dann wieder positiv gestimmten Art geht es um Liebe, Natur und Familie.

Der Gesang ist mal klar, mit einer untergründigen rhythmischen Schwingung von Jazz, oft aber greifen die Zwiegesänge in eine Freiheit aus, die an die Kühnheiten von Björk erinnert. Und es gibt – nun eben doch: überirdisch anmutende Chöre aus Samples. Lisa-Kaindé singt im größeren Teil der Lieder die Hauptstimme, sie schreibt die Texte und sie begleitet sich an E-Piano und Synthesizer; ihre Schwester Naomi ist die Rhythmikerin, vorwiegend auf der Sitzkastentrommel Cajón, sie bezieht auch mal ihren Körper in die Perkussion mit ein und steuert die minimalistischen Elektronikbeats. In seiner ungezwungenen Art wirkt das alles ganz locker-leicht. Riesenapplaus dafür, samt erjubelter Zugabe, ganz zu Recht.

Auch interessant

Kommentare