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Die Filarmónica Joven de Colombia im Rheingau.
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Die Filarmónica Joven de Colombia im Rheingau.

Rheingau Musik Festival

Geigenbögen tanzen, Geigerkörper zucken

  • VonStefan Schickhaus
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Großes Kino für ein tolles Kollektiv: Die Filarmónica Joven de Colombia mit einer „Sacre“-Performance in Wiesbaden.

Man muss das jedenfalls als mutig bezeichnen. Da gehen die Musiker der Filarmónica Joven de Colombia auf Europatournee (es ist überhaupt die erste für Kolumbiens führendes Jugendorchester, das jetzt Station machte beim Rheingau Musik Festival in Wiesbaden), studieren dafür Igor Strawinskys anspruchsvolle Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ ein – und belassen es nicht beim reinen Musizieren, sondern setzen diese radikale Tanzmusik auch noch choreografisch um.

Mutig aus vielerlei Gründen: Zum einen müssen die jungen Kolumbianer, alle erst zwischen 16 und 26 Jahre alt, damit rechnen, dass bei Publikum und Presse nicht die Orchesterleistung diskutiert wird, sondern vor allem die visuelle Performance. Zum anderen: Die jungen Leute müssen sich als Ausdruckstänzer an ihren Notenpulten betätigen, aufstehen, Instrumente schwenken, als wäre die reine Orchesterstimme nicht schon anspruchsvoll genug. Und sie müssen damit rechnen, dass Tücherschwenken und Notentanzen hierzulande, wenn es schlecht läuft, eher mit Waldorfschule als mit progressive Konzertsaal-Innovation in Verbindung gebracht wird.

Andrés Orozco-Estrada, der Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters und selbst Kolumbianer, leitet die Tournee und hatte die Idee zu dieser Visualisierung der Strawinsky-Partitur. „Sacre“ sei eben eine Ballettmusik, „und so gehören körperliche und szenische Elemente zur Ursprungsidee dieses Stücks“, sagt er. Mit Licht- und Videoprojektionen wurde zudem eine Leinwand hinter dem Orchester bespielt, das in vergleichsweise zurückhaltendem Maße.

Großes Kino also, vielleicht zu groß, zu viel. Zuckende Schlagzeuger, ekstatisch sich herumwerfende Streicher, Trompeter, die rituell ihr Rohr reinigen in Zeitlupe – pausenlos gab es Aktion auf dem Podium im Wiesbadener Kurhaus. Permanent wurde etwas geschwenkt, gereckt, gespreizt. Dabei wäre weniger wohl mehr gewesen. Die nach oben schießenden Bögen der Violinen, die gesenkt gehaltenen Köpfe der Pausierenden, das Einfrieren aller Bewegungen bei einer markanten Zäsur – das machte Effekt. Die Wucht der Musik aber drohte im steten Bewegungsgetöse zu verpuffen.

Und wirklich war es schwer, die reine Orchesterleistung zu bewerten. Das erst 2010 gegründete Orchester wurde in Frankfurt final geschult von Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters, der letzte Schliff eines schon gut polierten Klangkörpers. Die kolumbianische Jugend-Philharmonie ist nicht nur ein tolles Kollektiv, sondern zeigte auch große Einzelleistungen: Solo-Flöte, Solo-Fagott, damit lässt sich unbedingt professionell arbeiten. Die Präzision ist groß, der Klang präsent und dynamisch.

Das hatte sich auch schon im ersten Konzertteil gezeigt, beim so plastisch die lateinamerikanische Natur und Kultur nachzeichnenden Orchesterwerk „América Salvaje“ des peruanischen Komponisten Jimmy López (mit Muschelbläsern, Vogelpfeifern, Mambo-Trommlern) sowie bei Peter Tschaikowskys Rokoko-Variationen mit dem ausgezeichneten Cellisten Claudio Bohórquez. Der hat, wiewohl in Deutschland geboren, eine peruanisch-uruguayische Abstammung, ein den Kolumbianern adäquates Temperament und am Cello einen herrlich sonoren Ton. Den er gar nicht tanzen musste, er klang auch so gut.

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