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Michael Wollny am Klavier, Christian Weber am Bass.

Wollny in der Alten Oper

Die gedehnte und die stoppuhrgenaue Zeit

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Michael Wollny und sein Trio über- und umschreiben Ligetis „Atmosphères“ beim Musikfest der Alten Oper.

Spuren von Jazz wird man im Werk von György Ligeti auch mit der Lupe nicht finden. Spuren von Ligeti im Werk von Michael Wollny hingegen nicht wenige. Beim Musikfest der Alten Oper Frankfurt, das sich immer einem Markstein der Musikgeschichte widmet, ist der in Leipzig lebende Jazzpianist stets gesetzt; dass er zu Ligetis epochalem Orchesterstück „Atmosphères“ musikalisch etwas zu sagen haben würde, stand außer Zweifel.

„Atmosphären“ hieß auch das Konzert von Wollnys grandiosem Trio mit dem Bassisten Christian Weber und Eric Schaefer am Schlagzeug, das zur Reihe Jazz im Mozartsaal gehörte, wegen der großen Popularität Wollnys allerdings im prächtig besuchten Großen Saal stattfand. Am Anfang stand eine Reihe älterer Nummern Wollnys und Schaefers, die zum Teil vor allem auf die Klavieretüden Ligetis Bezug nehmen.

„Keine Ereignisse, sondern nur Zustände“ – diese Worte prägte Ligeti auf sein 1961 bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführtes, ungefähr neunminütiges Orchesterstück. Mit ihrer dreißigminütigen Überschreibung haben Wollny und sein nun um den französischen Sopransaxofonisten Émile Parisien erweitertes Trio das Werk so vom großen Orchester auf ein kleines Ensemble übertragen, dass es doch bestens wiederzuerkennen ist. In erster Linie dehnen sie die Zeitlichkeit; das improvisatorische Moment ist eingebunden in den Rahmen stoppuhrgenauer Untereinheiten. Das erläuterten Wollny und Schaefer im anschließenden Gespräch an der Bar mit dem auch für die FR tätigen Musikjournalisten Hans-Jürgen Linke, der diese Jazzreihe betreut. Das Harmonium eröffnet die Möglichkeit extrem lang anhaltender Töne, auch das Schlagwerk wird mittels bekannter Schab- und Reibetechniken sowie des Gebrauchs eines Violinbogens über seine Pulsfunktion hinausgeführt; hinzu kommt eine Bearbeitung der Klänge Schaefers mit dem modularen Synthesizer. Das Ergebnis ist phänomenal. Riesenapplaus.

Anschließend ging es mit einigen weiteren Nummern unter anderem zu dem Renaissancekomponisten Guillaume de Machaut, dessen Motetten Ligeti genau studiert hat und schließlich zu einem mit unerhörter Verve – und Leichtigkeit! – groovenden Rückgriff auf den Hardbop, mit mächtigem finalem Cluster-Knalleffekt auf dem Klavier.

Michael Wollny ist kein Polystilist, seine Gruppe und er musizieren vielmehr „über den Stilen“ – und arbeiten so an einer zeitgenössischen Fortschreibung des europäischen Jazz. Mit Ligeti als einem ganz fundamentalen musikhistorischen Baustein.

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