Ganz entspannt in der Alten Oper: Joseph Calleja und Dirigent Brian Schembri.
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Ganz entspannt in der Alten Oper: Joseph Calleja und Dirigent Brian Schembri.

Joseph Calleja

Der ganz entspannte Tenor

Joseph Calleja, der Malteser mit der samtigen Stimme, eröffnete in der Alten Oper die Kulturtage der EZB.

Von Stefan Schickhaus

Bei Rolando Villazón wird schon auch mal erwähnt, dass er aus Mexiko stammt, und Juan Diego Flórez’ peruanische Herkunft ist hin und wieder Thema. Doch der Hinweis, dass Joseph Calleja ein Malteser ist, fehlt wirklich nie, sobald auch nur der Name dieses Startenors fällt. Calleja und Malta, das ist quasi ein Synonym, seit der heute 37-Jährige vor rund 15 Jahren die große Opernbühne betrat. Calleja ist offizieller Kulturbotschafter des Landes, das 2004 Mitglied der Europäischen Union wurde und damit Luxemburg den Titel abnahm, kleinstes Land der EU zu sein.

Und weil Malta in der EU ist, war es nun an der Reihe, Schwerpunktland jener Kulturtage zu sein, die die Europäische Zentralbank seit 2003 in Frankfurt veranstaltet und für die in den kommenden Wochen und Monaten zahlreiche Kunst- und Kulturschaffende aus Malta an den Main reisen werden. „425 000 Einwohner bei einer Fläche von 316 Quadratkilometern, das ist klein, aber fein“, so Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann jetzt beim Eröffnungskonzert der Kulturtage, für die Maltas einziges Orchester, das Malta Philharmonic mit seinem ebenso charismatischen wie zupackenden Dirigenten Brian Schembri in die Alte Oper gekommen ist. Und natürlich Joseph Calleja, die berühmteste Stimme des Inselstaates.

Weich bis in die Spitzen

Und diese Stimme ist: entspannt. Der 1978 in Attard und damit ziemlich im Zentrum der nur 13 Kilometer breiten und 27 Kilometer langen Hauptinsel Malta geborene Sänger widerlegt vom ersten Ton an das Klischee, dass Tenöre angespannt sein müssen. So kleinteilig und zusammengewürfelt sein Frankfurter Arien-Programm auch war: die Mühelosigkeit, mit der Joseph Calleja sich durch die Hits aus „Rigoletto“, „Tosca“ oder „Roméo et Juliette“ sang, bestach bei jeder Nummer aufs Neue. Weich bis in die Spitzen sind seine hohen Töne, gut gemacht sein Einsatz der Kopfstimme, und nachgerade großartig seine Ausgestaltung des „O figli, o figli miei!“ aus Giuseppe Verdis „Macbeth“ – der Oper übrigens, mit der er als 19-Jähriger auf der Opernbühne debütiert hatte. Ohne jeden Druck in der Stimme, offenbar mit riesigen Reserven. Nicht einmal bei der obligatorischen „O sole mio“-Zugabe mit ihren üblichen „wer kann länger“-Spielchen schwillt ihm die Halsschlagader. Gesünder kann man das nicht singen.

Und, ja, mittlerweile bewegt sich Joseph Calleja auch. Als Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe den 18-jährigen Tenor bei einem Vorsingen am Brüsseler Opernhaus La Monnaie hörte, habe er in ihm zwar eine der größten Tenorhoffnungen unserer Tage erkannt, aber bewegt hätte sich Calleja wie ein junger Elefant. Das Urteil von damals relativierte der Mann aus Malta jetzt mit konsequenten Hüftschwüngen zum Lied von Kleinzack aus Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“, doch ehrlich gesagt: Ohne Hüfte wäre es wohl etwas präziser gewesen.

2016 wird Calleja für eine „Carmen“-Produktion der Oper Frankfurt wieder in die Stadt zurückkehren, Freunde unangestrengt erklommener Tenorhöhen können sich freuen. Bis Februar 2016 laufen auch noch die EZB-Kulturtage. Es hat eben viel zu bieten, das kleine, entspannte Land im Süden.

www.ecb.europa.eu/ecb/cultdays

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