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Start im Konzert-Kubus.
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Start im Konzert-Kubus.

Rheingau Musik Festival

Gabriela Montero: Voller Klang im warmen Holz

  • VonStefan Schickhaus
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Die Pianistin Gabriela Montero eröffnet im Rheingau den neuen mobilen Konzert-Kubus.

Es ist 19.10 Uhr, in 50 Minuten wird das Konzert beginnen. An einer Ecke hält ein Mitarbeiter noch einen Farbeimer hoch, damit ein anderer eine Ecke streichen kann – in einem dunkleren Farbton, als es die Visualisierung erahnen ließ, mit der das Rheingau Musik Festival für ihren neuen Konzertsaal geworben hatte. Da steht er also nun, der „Fürst von Metternich Konzert-Kubus“: Passgenau hineingesetzt in den Cuvéehof von Schloss Johannisberg, 45 Meter lang, 20 Meter breit, acht Meter hoch. Er soll (nur) in diesem Jahr den eigentlichen „Fürst von Metternich-Saal“ dort ersetzen, der unter Corona-Bedingungen nicht wirtschaftlich bespielbar wäre. In den neuen Kubus dagegen, der als einer der größten mobilen Konzertsäle eigens für das RMF konstruiert wurde, passen in Schachbrett-Bestuhlung mehr Zuhörerinnen und Zuhörer als im alten Saal in Vollbesetzung, und er klingt auch besser.

Die Pianistin, die den innen von rotbraun leuchtendem Holz dominierten Kubus jetzt eröffnen durfte, hieß Gabriela Montero. 2015 spielte sie nebenan im Metternich-Saal, zu lange her für einen wirklich direkten Vergleich. Gläsern hart klingt ein Steinway nie, wenn die 1970 in Caracas geborene Montero daran sitzt, für klanglichen Purismus ist sie nicht bekannt. Eher für beherztes Zupacken und Klangfülle – und die erreichte die Zuhörer im Metternich-Kubus in ganz ausgezeichneter akustischer Qualität. Selbst das so spitzfingrig angelegte Scherzo in Sergej Prokofiews zweiter Klaviersonate strahlte hier viel delikate Wärme aus.

Pianistin und Saal souverän

Prokofiew, Strawinsky, Rachmaninow: Das Programm war leider nicht als Breitentest angelegt dafür, den Kubus auf Herz und Nieren zu prüfen. Nichts pedallos Schlankes, nichts Delikat-Lyrisches, die Musik pendelte vornehmlich zwischen manisch-expressiv und üppig-pastos. Immerhin das steht fest: Selbst die verschwenderisch ausufernden Tonkaskaden der zweiten Rachmaninow-Sonate, die einen Saal schnell zum Dröhnen bringen können, hat der Kubus ebenso souverän gemeistert wie die Pianistin.

Immer fester Bestandteil von Gabriela Monteros Konzerten sind ihre Improvisationen. Das Publikum muss sich dafür überwinden, bekannte Melodien vorzusingen, über die sie dann frei paraphrasiert. An diesem Abend waren das: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ (verarbeitet in ein veritables Choralvorspiel), „Der Mond ist aufgegangen“ (ganz spröder Brahms) und „Over the Rainbow“ – und an dieser Improvisation konnte man ein bisschen in Monteros Werkzeugkasten blicken. Denn 2015 hatte sie nebenan im Metternich-Saal „Don’t Cry For Me, Argentina“ stilistisch vergleichbar aufbereitet, beginnend als tupfende Händel-Sarabande, endend als jazzige Habanera. Faszinierend bleibt diese besondere Paraphrasierungskunst dennoch, und schwer erklärbar. „Es ist“, sagte die Pianistin einmal in einem Interview, „als würde man zu Hause den Wasserhahn aufdrehen – da kommt immer Wasser ‚raus. Es fließt einfach. Das passiert direkt, ohne Verzögerung.“

Der Kubus, das wurde an diesem Abend klar, ist ein Wohlfühlort, atmosphärisch angenehm, gut belüftet und fein nach Holz riechend (wofür man aber die Maske kurz zu lüften wagen muss). Dabei ist er vergleichsweise preisgünstig gehalten: Unter einer Million blieben die Kosten für die „Rheingau-Philharmonie“, die RMF-Intendant Michael Herrmann augenzwinkernd mit der 780 Millionen teuren Elbphiharmonie verglich. Und sie wurde in weniger als einem Monat fertiggestellt, im Zeitplan, der letzte Fassadenstrich wie gesagt um 19.10 Uhr.

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