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Mit „Nur geträumt“ dabei: Nena, hier um 1984.
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Mit „Nur geträumt“ dabei: Nena, hier um 1984.

Neue Deutsche Welle

Furchtbares, Klassisches

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Ein Album mit „Neuer Deutscher Welle“. „Die Neue Deutsche Welle brachte furchtbare Songs hervor“, gestehen die Macher, aber auch „Songs, die die Zeit überdauert haben und heute als echte Klassiker gelten“.

Der Typ, der da schreit „Die Polizei sperrt alle Straßen ab / Und fühlt den Asphalt nach Minen ab“ – das ist Campino, der Sänger der späteren Toten Hosen, damals noch Sänger der Band ZK. Eine Version des Liedes flüsterte er, eine Version schrie er. 1979 war das. Wer hätte es noch gewusst? Und hier: Die Gruppe Deutsch-Österreichisches Feingefühl (DÖF) – da waren ja beide Humpe-Schwestern dabei, Annette von Ideal und Inga von Zweiraumwohnung, und sie düsten im Sauseschritt und brachten die Liebe mit von ihrem Himmelsritt.

Oder da: George Kranz trommelte bei Zeitgeist, Purple Schulz sang bei Neue Heimat, Max Goldt bei Foyer des Arts, Sven Regener trompetete und flügelhornte bei der Punkjazzcombo Zatopek.

Das waren Zeiten. Das war angeblich die Neue Deutsche Welle, NDW. Jetzt ist wieder mal ein neuer NDW-Sampler erschienen, aber was heißt ein Sampler – gleich vier Doppel-CDs sollen es werden, die nach und nach die wichtigsten Lieder eines Phänomens versammeln.

NDW-Kompilationen sind immer so eine Sache. Schon vor 30 Jahren standen sie in den Plattenläden, die Alben, die zusammenfassten, was oft nicht zusammengehörte, und vermarkteten, was zuvor als marktferne Bewegung die größte Sympathie gefunden hatte. Die Neue Deutsche Welle landete auf dem Ramsch, noch ehe die 80er vorbei waren. Einige Musiker schafften es, sich hinüberzuretten in die Zukunft, andere wurden das Image nicht mehr los und konnten einpacken.

„Aus grauer Städte Mauern – Die Neue Deutsche Welle 1977-85“, Teil 1, hebt sich von jenen typischen Zusammenschnitten durchaus ab. Natürlich steht auch auf diesem Sampler die Musik im Mittelpunkt, sage und schreibe 50 Lieder sind drauf, darunter Berühmtes wie „Blaue Augen“ von Ideal oder „Nur geträumt“ von Nena, Großartiges wie „Schweine im Weltraum“ von Irrwitziges wie „Laufen“ von Malaria und Unpassendes wie „TV-Glotzer“ von Nina Hagen. Das Lied war nie NDW, zumal es eine deutsche Version des Tubes-Klassikers „White Punks On Dope“ ist, und Nina Hagen war sowieso nie NDW. Aber: Es gibt zusätzlich ein 150-seitiges Booklet mit Fotos, Plattencovers, vor allem aber mit Geschichten über die Bands und mit einer lesenswerten Einordnung der Bewegung.

„Die Neue Deutsche Welle brachte furchtbare Songs hervor“, gestehen die Macher, aber auch „Songs, die die Zeit überdauert haben und heute als echte Klassiker gelten“. Dasselbe lässt sich zwar über die Lieder jeder erdenklichen Ära sagen, aber interessant, das Zitat des Fehlfarben-Gitarristen Thomas Schwebel, NDW sei „das einzige nennenswerte Pop-Ereignis in Deutschlands populärer Musik seit dem Zweiten Weltkrieg“ gewesen. Und immerhin der Beginn einer Independent-Szene im Land, die sich bis heute durchgeschlagen hat.

Der Begriff Neue Deutsche Welle übrigens, auch das lässt sich aus dem Booklet lernen (oder wiederentdecken), tauchte erstmals 1979 im Musikmagazin „Sounds“ auf. Die einst renommierte Zeitung ging gemeinsam mit der Welle in den 80ern unter und schwappte zwischendurch immer mal wieder kurz an die Oberfläche. Das hatte sie mit der Stilrichtung gemeinsam, aber inhaltlich nicht viel.

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