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Was er gerne wissen würde: Funny van Dannen.

"Alles gut Motherfucker"

Funny van Dannen ist nichts heilig

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Funny van Dannens 15. Album "Alles gut Motherfucker" enthält natürlich auch dringliche Songs zur Lage.

Geschichten, die das Leben schreibt, verlaufen bei Funny van Dannen so: Seine Karriere als angehender Fußballstar scheiterte, weil der niederländische Zweitligist Fortuna Sittard die vereinbarte Ablösesumme von 11 000 DM für den talentierten Jugendspieler nicht aufbringen konnte. Schluss mit Fußball, lieber singen.

Funny van Dannen und die Berliner Kultband

Das ist kein Song von Funny van Dannen, hätte aber einer werden können. „Alles gut Motherfucker“ heißt sein aktuelles Album mit 22 neuen Stücken, die flott dahingeschrammelt sind, heftiges Sehnen und den ewigen Schalk im Nacken des Sängerparodisten ausdrücken, der in diesem Jahr 60 geworden ist. Die Einsamkeit des Mannes, der ein Lied singt, klingt da immer wieder einmal an: „Und jetzt singst du ganz alleine / You’ll Never Walk Alone“.

Zur Legende des Malers, Schriftstellers und Musikers Funny van Dannen gehört, dass er Ende der 80er das einzige männliche Gründungsmitglied der Lassie Singers war, die schnell in den Ruf gelangten, eine Berliner Kultband zu sein. Obwohl Funny van Dannen die fröhlich-tiefschürfende Formation bald wieder verließ, hat er die Songschreiberei von Christiane Rösinger und Co. doch stark beeinflusst, auch wenn der krude Jungenwitz von van Dannen gar nicht so recht zur postfeministischen Melancholie der Lassies passen mochte. Aber die Anhäufung von unpassenden Dingen ergibt auch einen Stil, und man traf sich im geschärften Blick für Verlierergeschichten und der besonderen Energie, die aus der Verschwendung von Talenten entsteht.

Und Fanny van Dannen war auch nach seinem kurzen Aufenthalt bei den Lassie Singers einer, der mitmischte. Immer wieder mal arbeitete er mit Campino und den Toten Hosen zusammen, zum Beispiel an der Anti-Bayern-Hymne mit der Zeile „Ich würde nie zum FC Bayern gehen“. Für die Fortuna Düsseldorf-Fans hatte van Dannen kurzerhand mal seine Expertise als verhinderter Profi eingebracht.

Die Geschichten, die van Dannen in Liedform presst, handeln oft von Leuten, die aufs falsche Pferd gesetzt haben und sich anschließend fragen, ob das überhaupt ein Pferd war. Er treibt skurrile Szenen auf die Spitze und setzt dabei auf den Moment, in dem sie ihren Witz verlieren. Manchmal ist da nur ein Wortspiel, etwa in dem Lied „Forever Yin, Forever Yang“, zu dem er auf das wissende Schmunzeln von Bob-Dylan-Kennern setzt und dabei auch die wohlige Freude am Auslöffeln esoterisch gewürzter Suppen versalzt. Aber nach einer zersungenen Zeile, zu der man denkt: Ach, wie blöde!, sieht man sich plötzlich an den lyrischen Rand getrieben, auf den viele Lieder Funny van Dannens zusteuern. Glaubte man eben noch, mit interpretatorischer Gewissheit sagen zu können, dass der Mann, der da mit einer etwas aufgesetzten Lässigkeit singt, im Stau der Banalitäten feststeckt, meint man bald, mit ihm in den dichterischen Abgrund zu stürzen.

Ironiker Funny van Dannen und die Poesie

Der Ironiker Funny van Dannen, dem nichts heilig („Immer diese Religionen“) zu sein scheint, versteht es doch auch, stille Momente der Poesie hervorzubringen. Oft sind die Helden seiner Lieder „Zu dumm für das Glück“, dann aber „verspüren wir beide den kühlen Hauch“. Tiere beginnen zu sprechen, und der Sand flüstert zu den Sommergästen im Lied „Wenn es Abend wird am Meer“: „Ihr habt so tolle Hintern/Warum bleibt ihr nicht einfach hier/hier könnt ihr überwintern.“

„Alles gut Motherfucker“ enthält natürlich auch dringliche Songs zur Lage. In seiner knapp eine Minute dauernden Farbenlehre heißt es: „Ich würde auch gerne wissen / eine Gesellschaft mit braunen Flecken / ist die faul /oder einfach nur beschissen?“ Und selbst wenn man es nicht für möglich hält, so hat der Songschreiber Funny van Dannen, der bisweilen klingt wie die bittere Rache auf den anhaltenden Erfolg von Popmusik mit deutschen Texten, auch Lösungsvorschläge: „Lass uns in den Park gehen / und den Hang hinunterrollen / oder hast du eine bessere Idee / wie wir dem Wahnsinn unserer Zeit begegnen sollen“, singt Funny van Dannen gleich zu Beginn des Albums. Gute Idee, natürlich nur, wenn man zuvor die Wiese nach Hundekot und herumliegenden Spritzen von Junkies abgesucht hat. Das bittere Gefühl der verlorenen Freiheit ist das untergründige Motiv dieser Lieder, denen die Produktion von Sinn und Hintersinn mehr als verdächtig ist.

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