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Jazz im Palmengarten

Fünf sind ein Orchester

  • VonStefan Michalzik
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Oh ja, der Jazz hat Zukunft. Regelrecht melodienselig stiegen John Hollenbeck und sein Claudia Quintet ein in das Finalkonzert der 50. Saison der sommerlichen Frankfurter Reihe "Jazz im Palmengarten". Von Stefan Michalzik

Der New Yorker Schlagzeuger und Komponist John Hollenbeck bewegt sich höchst umtriebig in einem postavantgardistischen Umfeld zwischen Musikern wie Meredith Monk, Bob Brookmeyer und Fred Hersch. Als Sideman pendelt er zwischen Neuerern des Klezmererbes wie Frank London und David Krakauer sowie dem die Fahne des Tango Nuevo weitertragenden Pablo Ziegler. Hollenbecks Hervorbringungen unter eigener Signatur sind von einer ausgewiesenen Zeitgenossenschaft gekennzeichnet.

Regelrecht melodienselig stiegen John Hollenbeck und sein Claudia Quintet ein in das Finalkonzert der 50. Saison der sommerlichen Frankfurter Reihe "Jazz im Palmengarten": mit einem eigensinnigen Doppelcover aus einer Easy-Listening-Nummer der zum Bestand des Pops der siebziger Jahre gehörigen Carpenters und dem Latinjazz-Klassiker "The Peanut Vendor" aus dem Repertoire von Stan Kenton.

In seiner Ansage nennt Hollenbeck diese Nummern einen Teil seiner musikalischen Früherfahrung. Die dem Pop eigene Ästhetik der geschliffenen Oberflächen scheint für ihn - im Sinne einer Unterwühlung der Ausgangspunkte - für eine von Dogmata befreite Haltung dem Jazz gegenüber zu stehen. Offenkundig ist es Hollenbeck gelungen, sich den Blick von außen zu bewahren; Scheuklappen behindern ihn jedenfalls nicht.

Es besteht keine Hierarchie der Instrumente. Die Besetzung mit dem Vibraphonisten Matt Moran, Chris Speed an Tenorsaxofon und Klarinette, Ted Reichman, Akkordeon, dem eingesprungenen John Hebert am Bass sowie Hollenbeck am Schlagzeug sprengt den Rahmen eingeführter Instrumentenkonstellationen. John Hollenbeck, der viel für orchestrale Formationen und mitunter auch für klassische Chöre geschrieben hat, behandelt praktisch auch das Quintett wie ein kleines Orchester. In manchen Momenten erscheint der Ensembleklang "größer", als es den personellen Gegebenheiten entspricht.

In Absetzung vom Modell des kammermusikalischen Dialogs handelt es sich bei der Interaktion um ein austariertes Zusammenspiel der Klänge. Durchaus auch im Sinne von Widersetzlichkeiten, die auf einer höheren Ebene miteinander harmonieren.

Das Klangbild changiert ständig. Melodische Floskeln, repetitive Phrasen im Sinne des Minimalismus, Klangszenen wie etwa ein Duo mit gestrichenem Vibraphon und gezupftem Bass, flirrende Akkordeonpatterns, Drum´n´Bass-Rhythmen vom Schlagzeug, song- und folkhafte Momente, dissonantes kollektives Getümmel nach Manier der Freien Spielweise: Die Stücke laufen vorhersehbaren Gesetzen zuwider.

Die These einer Unvereinbarkeit von Progressionsanspruch und Süffigkeit hat Hollenbeck widerlegt. Oh ja: Der Jazz hat eine Zukunft.

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