Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss: Eizi Eiz (links) und Denyo.
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Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss: Eizi Eiz (links) und Denyo.

Beginner in Offenbach

Füchse mit Herz und kleinem Bauch

  • Marie-Sophie Adeoso
    vonMarie-Sophie Adeoso
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Die Beginner verbinden in Offenbach die Hiphop-Generationen und haben weitere Raplegenden als Gäste dabei.

Der Haaransatz ist manch einem Fan grau geworden über dem Hoodie, das Shirt mit Fuchs-Konterfei spannt über dem Bauch. Zwischen kopfnickenden Teenies mit Schirm- oder Pudelmütze recken Vierzigjährige mit schlauen Brillen ihre eheberingten Hände in die Höhe. Eltern, die es am Montagabend gerade noch rechtzeitig vom Laternenfest in den Marihuanadunst der Offenbacher Stadthalle geschafft haben – „denn der Testsieger, rappt wieder“! – grinsen besonders breit, wenn der heute allseits als näselnder Soulfunkreggaerock-Dandy Jan Delay bekannte Eizi Eiz seine neuesten Battlerapzeilen austeilt: „Alter ich kam schon mit K2 und Hammerhart, als ihr noch irgendwo im Sack von eurem Vadder wart.“ Denyo steuert seinen Part bei „mit großem Herz, dickem Kopf und kleinem Bauch“, derweil DJ Mad der generationenübergreifenden Meute zur Konzerteröffnung die dröhnenden Schiffssirenen von „Ahnma“ ins Zwerchfell jagt.

Es ist rund zwei Jahrzehnte her, seit die Beginner, die einst noch ein Absolute im Namen trugen, mit politisch durchdachtem Wortwitz Hamburgs Ruf als damalige deutsche Hiphophauptstadt herbeirappten. Mehr als ein Jahrzehnt, dass sie erstmals ein Deutschrapalbum an die Spitze der Charts hievten. Nun, da sie mit ihrem nächsten Nummereins-Album „Advanced Chemistry“ von einer ausverkauften Konzerthalle zur nächsten ziehen, fühlt es sich dennoch an, als seien „die Füchse von der Elbe“ nie fort gewesen. Sie haben Offenbach im Griff. Oder vielmehr: das „Offenbacher Einzugsgebiet“, wie Eizi Eiz die zahlreich aus Frankfurt angereisten Fans anspricht.

Das liegt weniger am in der Riesenhalle versumpfenden Sound, von dem selbst das markante Instrumentalsample des Bambule-Hits „Hammerhart“ kaum in die Mitte des Pulks dringt. Sondern daran, dass man den Rap-Routiniers in jeder Minute ihres knapp zweistündigen Auftritts abnimmt, dass Hiphop ihnen eine Herzensangelegenheit ist. Altes und Neues fließen so schlüssig ineinander, dass man manches Mal vergisst, ob man eigentlich gerade alte oder neue Zeilen mitrappt.

Etwa in der umfangreichen Zugabe, als die Beginner mit „Es war einmal“ ein buntes Oldschool-Medley einleiten, in dem auch Songs alter Wegbegleiter wie Dynamite Deluxe aufblitzen. Ganz besonders aber, als die Hamburger jene Heidelberger Hiphop-Pioniere auf die Bühne bitten, denen sie mit ihrem aktuellen Album Tribut zollen: Advanced Chemistry in Gestalt von Torch und Toni L. Es ist ein Gänsehautmoment fürs Hiphopherz, als diese „Raprentner ohne Rente“ selbstironisch „Wir waren mal Stars“ und dann ihr legendär gewordenes Anti-Rassismus Stück „Fremd im eigenen Land“ von 1992 anstimmen. Und doch wird aus der Nostalgie sofort Aktualität, als Denyo, Eizi Eiz und Mad mitsamt dem bereits im Vorprogramm gefeierten Rapper Megaloh in ihr aktuelles Stück „Thomas Anders“ überleiten: „Sie denken schwarz-weiß, ich denk Regenbogen“.

Den einzigen Wermutstropfen des Abends verspüren wohl nur jene, denen wie der Autorin einst bei Liveauftritten im natürlichen Gefilde der Beginner warm ums Herz wurde, wenn Möwengekreische den „City Blues“ einleitete. Im Offenbacher Einzugsgebiet hingegen geht die poetische Melancholie in Kopfnickhymnen wie „Füchse“, „Rock On“, „Fäule oder „Rap und fette Bässe“ unter. „Denn da bei euch, im Süden von der Elbe: Da ist das Leben nicht dasselbe!“

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