+
Jade Jackson ist jetzt stärker auf dem Weg in Richtung Rock, ohne ihre Herkunft zu leugnen.

Musik

Fröhliche Melancholie

  • schließen

Auch sehr schön: „Wilderness“, das zweite Album von Jade Jackson.

Im Video zu „Finish Line“ sieht man Jade Jackson dabei zu, wie sie in ihrer Heimatstadt Santa Margarita die Sachen packt. Am Ende nimmt sie die Gitarre und haut mit einem Bandbus ab. Obwohl, Stadt? 1259 Einwohner, gegründet 1889, als die Southern Pacific Railroad die Küste erreichte. Wenn man sich die Bilder in dem Clip anschaut, hat sich seitdem nicht viel verändert.

Der Song stammt von Jacksons Debütalbum „Gilded“ von 2017. Damals war sie gerade 24 geworden und sagte, es habe 24 Jahre gedauert, dieses Video zu drehen. „Alles ist wahr. Das war mein Leben.“ Die Jobs im Diner, die Spaziergänge entlang der Gleise, auf denen kein Zug mehr fährt. Und immer ein Notizbuch bei der Hand, in das sie die Ideen für ihre Lieder schreibt. Wehmütige Lieder, die vom Alleinsein handeln, was nun nicht so ungewöhnlich ist. Ungefähr hundert Prozent aller Popsongs handeln davon.

Jade Jackson: Wilderness. Anti/Indigo.

Bei Jade Jackson wird die Sache dadurch interessant, dass die Lieder, die sich im Sound des sogenannten Alternativ-Country bewegen (der längst Mainstream ist), von Mike Ness produziert wurden, der zu den Paten des US-Punkrock gehört. Mit seiner Band Social Distortion arbeitet er sich seit über vierzig Jahren an seiner traumatischen Kindheit ab. Er wurde von seinen Eltern rausgeworfen, als er 15 war, nahm Drogen, kam in den Knast und wurde Outlaw. Als Jade Jackson 15 ist, spielt sie in einer Rockabilly-Band. Das erste Konzert, zu dem sie ohne ihre Eltern gehen darf, ist, genau!, Social Distortion.

Countryfolk-Indiepoprock

Das war jetzt ein langer Anlauf, nur um zu sagen, dass auch das zweite Album von Jade Jackson sehr schön geworden ist. „Wilderness“ wurde abermals von Mike Ness produziert, der mit Social Distortion eine Plattenpause eingelegt hat. Von ihnen ist schon seit Jahren nichts mehr zu hören. Umso erfreulicher, dass sein musikalischer Einfluss auf dem neuen Album noch deutlicher wird als beim eher traditionell angelegten Debüt. Fiddle, Mandoline und Pedal-Steel-Gitarre spielen kaum noch eine Rolle mehr, das Ganze geht stärker in Richtung Rock, ohne seine lokale und soziale Herkunft zu leugnen, Countryfolk-Indiepoprock mit einer radiokompatiblen Note sozusagen. Der Opener „Bottle It Up“ könnte auch von Sheryl Crow stammen, so circa 1997. Die Melancholie ihrer Songs, in denen sich Jade Jackson auch mit ihren Depressionen nach einem schweren Unfall beschäftigt, der sie vor sechs Jahren um ein Haar für immer in den Rollstuhl gebracht hätte, vermittelt sich auf eine vergleichsweise fröhliche Weise.

Up-tempo-Nummern wie das mitziehende „City Lights“ oder auch „Don’t Say That You Love Me“ betteln geradezu um eine Liveversion, die man bei ihren Deutschland-Konzerten im September (Termine in München, Hamburg, Berlin und Köln sind angekündigt) sicherlich zu hören bekommen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion