Fröhliche Direktheit

Bonnie "Prince" Billys neues Album "Lie Down in the Light"

Von ELKE BUHR

Im ersten Song "Easy Does it" trappelt die akustische Country-Gitarre entspannt los in Richtung Horizont. Aber bevor sie dort auf ihre alte Freundin, die Mundharmonika trifft, überschlägt sich erst mal die Stimme des singenden Reiters in undefinierbare Höhen. Wer ein Album mit einer Serie von dermaßen verfehlten Tönen anfängt wie Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy sein jüngstes mit dem Titel "Lie Down in the Light", der muss schon Nerven haben. Aber wie singt er doch gleich darauf im zweiten Song so schön? "The glory goes to those who do not seek it".

Seit fünfzehn Jahren schon arbeitet der 37jährigen Bartträger aus Kentucky unter verschiedenen Namen an einem musikalischen Paralleluniversum zwischen Folk, Country und Singer-Songwritertum, immer so weit vom großen Business und so nah am Herz der Musik wie irgend möglich. In den letzten Jahren gönnte er seinen Fans dabei gelegentlich eine etwas ausgefeiltere Aufnahmetechnik statt des kratzigen Lo-Fi der frühen Tage, und er tritt mittlerweile auch vor mehr als fünfzig Leuten auf.

Aber das Wohnzimmer-Gefühl bleibt - wobei in diesem Wohnzimmer sich niemals nur traditionsselige Gemütlichkeit breit macht. Denn die Kunst von Bonnie "Prince" Billy lebt vom Wissen um die Brüchigkeit jedes Weltentwurfs. Sie ist melancholisch, rätselhaft, exzentrisch, und in jedem Moment ungeschützt, und genau deshalb immer wieder von seltener Schönheit.

"Lie Down in the Light" ist nun das je nach Zählung sechste bis achte Album, das Will Oldham unter den Namen Bonnie "Prince" Billy veröffentlicht, und sicher eines seiner besten. "12 Songs" steht lapidar auf dem Booklet, und nicht wenige dieser Songs erscheinen einem kostbar wie ein glitzernder Stein am Flussufer. Produziert wurde das Album von Mark Nevers, der auch für den Alternative-Country-Sound von Lambchop verantwortlich ist. Zwischen Orgel und Fiddle, Pedal Steel Gitarre und einer Klarinette bietet es deutlich mehr Optimismus als noch die 2006-Produktion "The Letting Go".

Ob die Liebe in Oldhams Leben getreten ist? Jedenfalls hat er mit Ashley Webber mal wieder eine Duettpartnerin gefunden, die seiner suchenden Introspektion eine zauberhafte Klarheit an die Seite stellt. Bevor man nun die Hände faltet und niedersinkt vor Andacht, erinnert einen Oldham allerdings mit fröhlicher Direktheit daran, was sich Frau und Mann Schönes antun können, wenn sie vor einander auf die Knie sinken: "Make it o make me o kneel down to please me, o Lady", singt er. Und sie antwortet schlicht: "Oh Boy." So singt der seltsame Waldschrat vom Glück, und teilt es mit allen, die hören wollen.

Tourdaten: 1. Juli Dresden, 2. Juli Berlin, 3. Juli Hamburg, 4. Juli Rudolstadt.

Bonnie "Prince" Billy: Lie down in the Light" (Domino / Indigo).

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