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Barry Gibb, da noch leibhaftig auf der Bühne.
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Barry Gibb, da noch leibhaftig auf der Bühne.

Barry Gibb

Frisch ergrünte Felder

  • vonPhilipp Kause
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Barry Gibb & Friends verpacken auf „Greenfields“ altes Bee-Gees-Material behutsam neu.

Barry Gibbs Haupthaar ist licht geworden, die Stimme aber ist nach wie vor kraftvoll in den Bee-Gees-typischen Höhenlagen. „Greenfields“ heißt nun ein Album des letzten Überlebenden der Band: ein Best Of, für das er großartige Songs neu einspielte. Stars und Newcomer der Musikszene von Nashville folgten ihm ins Studio. Seinen Wunsch-Duettpartnern und -innen überlässt er weitgehend den Gesang.

Zu Country habe er sich immer hingezogen gefühlt, erklärt er Vorhaben und Auswahl der Gäste. Doch wirkt die Sache ambivalent. Denn viele Stücke klingen stilistisch wie eh und je. Sie bekommen nur ein dichtes Streicher-Arrangement obenauf gepackt, haben mit Banjo- und Fiddle-Kultur, mit Swamp Rock, Tex-Mex, Honky-Tonk-Klavier wenig gemein. Dass Country und Pop einander nahestehen, daran erinnerte 2020 der Tod von Kenny Rogers. Für ein Rogers-Album 1983 war „Words Of a Fool“ aus Gibbs Feder entstanden. Der Bee Gee veröffentlicht den Song, der typische Country-Kadenzen aufweist, erst jetzt auf der neuen CD.

Trotz Themaverfehlung lohnt aber der Ausflug auf die grünen Felder. Nicht nur wegen Jay Buchanans (Sänger der Rival Sons) intensivem Vortrag von „To Love Somebody“. Auch, weil die Platte harmoniesicher und natürlich wirkt. Hits wie „Words“ (hier mit Dolly Parton) und das hymnische „I’ve Gotta Get a Message To You“ vermitteln die meisterliche Klasse der kurzen Bee-Gees-Phase II, als die Australier sich im UK einen Namen gemacht hatten.

Dominant auf „Greenfields“ sind die dritte Phase, als die Bee Gees nach Trennung wieder zusammenkamen und einen sanften Kurs einschlugen, sowie Phase IV mit den berühmten Disco-Songs. Brandi Carlile, 39, schenkt dem alten „Run To Me“ eine neue Politur. Mit teils brüchiger, metallischer Cowgirl-Stimme, aber auch cremig-glatten Phrasierungsbögen. „Run To Me“ schloss die Easy-Listening-Phase der Brüder ab.

Patina des Magnetbands

Als unerwartetes Highlight ragt die Ballade „Lonely Days“ aus jener Ära von 1970 bis ’72 heraus. In Kooperation mit der vielfach preisgekrönten Gruppe Little Big Town pflegt Gibb die Barock-Elemente der Ursprungsfassung, dann in der zweiten Songhälfte die spritzigen Glamrock-Impulse des Originals – und klangtechnisch auch Patina und Raumklang der Magnetband-Spulen. „How Can You Mend a Broken Heart“ erwies sich bereits als covertechnisch höchst dehnbarer Fall, als Reverend Al Green den Song auf die doppelte Länge streckte und zerbrechlich tänzelnden Gospel-Soul herauskitzelte. Nun steht Sheryl Crow für den Song Patin, trotz ihrer warmen Stimme für die rauen und scharfkantigen Seiten von Country bekannt. Crow und Gibb im mehrstimmigen Chorus klingen dabei so angenehm wie Crow solo in den Strophen. Ihr Ansatz: Betonung in alle Silben zu legen. Aber sie lässt sich auch mit lautmalerischem „la-la-la-la“ treiben.

Miranda Lambert, texanische Großverdienerin der Countryszene, wirkt ebenfalls mit. Ihr ausgerechnet die zackige Disco-Nummer „Jive Talkin’“ anzuvertrauen, erscheint mutig. Lambert stellt sich der Herausforderung mit undefinierbarem Rock-Soul, dezent stolpernden Beats und fanfarenhaftem Enthusiasmus – der überraschendste Beitrag.

Bedenken, dass Barry Gibb nur einen Aufhänger für ein Best Of brauchte, muss man nicht haben. Die handwerkliche Qualität von „Greenfields“ ist enorm hoch.

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