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Liraz Charhi
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Liraz Charhi.

Israel

Frauen, singt,  tanzt, es ist erlaubt!

  • vonPhilipp Kause
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Die Israelin Liraz mit Musik, die ihre Wurzeln im Iran hat.

Iranische und israelische Musik dringen selten in unseren Plattenmarkt vor. Obschon eine Newcomerin 2018 den Eurovision Song Contest für Israel gewann, umfasst das Musikwissen selbst der meisten interkulturell interessierten Deutschen oft nur Klezmer. Liraz Charhi, 42, Schauspielerin aus dem zentralisraelischen Ort Ramla, ist in ihrer Heimat regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Zuletzt in einer Rolle als Geheimdienstagentin. Musikalisch hat es ihr das 2000 Kilometer und zwölf Flugstunden entfernte Teheran angetan. Sie singt auf Persisch. Wer die Sprache kann, hört ihren Akzent heraus.

Musikalisch wirken die Fusionen zweier Tonleiter-Systeme auf Liraz’ zweiter Platte „Zan“ exotisch. Die Künstlerin fusioniert unser mitteleuropäisches Harmonieverständnis mit den Zwischentönen, die in der arabischen Welt durch kleinere Tonintervalle entstehen. Liraz’ Eltern migrierten vom Iran nach Israel, bevor die „Islamische Revolution“ 1979 die Kräfteverhältnisse im Nahen und Mittleren Osten nachhaltig veränderte. Die auch zum Verbot von Popmusik im Iran führte.

Zuvor, während der 70er-Jahre hatte sich eine interessante iranische Rock-Pop-Szene entwickelt. In der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurzelt der iranische Pop, der traditionelle persische Instrumente und westliche Gitarren verbindet.

Liraz engagiert sich auf zwei Ebenen, Musikbusiness und Empowerment von Frauen. Zum einen verkörpert sie Electro-Pop-Ästhetik mit Retro-Anleihen beim Disco-Sound der Seventies. Auf dieser Ebene sagt Liraz: Hört mal, wie sich der Iran-Pop hätte entwickeln können, wenn er es gedurft hätte. Zum anderen weist Liraz – die selbst nie im Iran war – schon im Titel „Zan“ („Frau“) auf die Situation von Frauen im Iran hin. Als Liraz drei Jahre lang im Ausland war, in Los Angeles, reifte in ihr bei der Begegnung mit Exil-Iranerinnen der Wunsch, sich überhaupt mittels Musik auszudrücken. Denn, wie sie sich erinnert, sie „hörte den Mut in ihren Stimmen“. Und es geht um Lebensfreude: „Frauen, singt, es ist erlaubt, dass ihr tanzt und jubelt, zusammen werden wir eine Revolution auslösen“, heißt es in einem der Songtexte.

Eine israelische Band begleitet sie offiziell. Musiker und Musikerinnen aus dem Iran wirkten via Internet mit und bleiben anonym. Zusammenarbeit mit einer Frau, die öffentlich singt (und dann noch einer Jüdin aus Israel), verstößt gegen das Gesetz. Das Album richtet sich an Europa. Earcatcher auf „Zan“ ist der Song „Dolate Esg“. Er scheint den Klassiker „House of the Rising Sun“ aufzugreifen. Rockige Härte paart sich mit Klagegesang. Prägendes Instrument ist die Baglama, eine Laute, dickbauchig, mit drei Doppelsaiten. Der Text stammt von dem Dichter und Mystiker Rumi.

Von ein paar heiseren Momenten abgesehen, singt Liraz mit der Stimme eines Mädchens, mit unverkennbaren Cyndi-Lauper-Parallelen. Der Zugang zur teils psychedelisch wirkenden Platte mag manchmal schwierig sein, etwa wenn der Empowerment-Song „Hala“ wie eine wilde Zirkusnummer daherkommt. Doch vieles vermittelt die Sehnsucht nach einer Zeit, als große Teile der Welt Freiheit zustrebten.

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